Schweizer Revue 5/2025

rung des Lebensraums fiel der Umweltverschmutzung eine zentrale Rolle zu. Polychlorierte Biphenyle, sogenannte PCBs, eine Chemikalie, die die Industrie verwendete, lagerten sich in den Fischottern ab. Dieses Gift nahmen sie über ihre Nahrung auf. Es sorgte dafür, dass sie unfruchtbar wurden. 1986 verbot die Schweiz PCBs, doch drei Jahre später starb der letzte Fischotter am Neuenburgersee. Die Schweiz erklärte den Fischotter offiziell als ausgestorben. Nachtrag Zwei Jahrzehnte lang existierten Fisch- otter nur noch in Zoos oder als leblose Präparate in Museen. Immerhin glückte 1985 erstmals in Bern und einen Tag später in Zürich die Geburt von Fischottern in Gefangenschaft. Und 2009 kehrte der Überlebenskünstler still und leise zurück. Handelte es sich vorerst um Beobachtungen von Einzeltieren, wird mittlerweile auch Nachwuchs gesichtet. Der fragile Bestand scheint sich zu erholen. Zootiere als Zeitzeugen Geschichte des Tierparks Dählhölzli Die Geschichte eines Zoos kann man auf unterschiedliche Weise erzählen. Historiker Roger Sidler (1968) stellt die Tiere ins Zentrum: Fischotter Peterli, Tiger Igor und Wildkatze Céline lebten zu unterschiedlichen Zeiten im Berner Tierpark Dählhölzli. Sie und weitere Bewohner stehen auch für gesellschaftliche Veränderungen – und sie werden zu Zeitzeugen. Unter Einsatz ihres Daseins warfen sie auf der Bühne des Tierparks existenzielle Fragen auf. Zootiere als Zeitzeugen 2024, Verlag «Hier und Jetzt», 208 Seiten, ISBN 978-3-03919-623-4, CHF 34.00 Einer seiner Vorgänger wurde im Zürcher Zoo gesteinigt: Ein gleiches Schicksal muss Fischotter Tom – hier fotografiert im Sommer 2024 – nicht befürchten. Foto Keystone Wärter Schindelholz auf einem winterlichen Spaziergang mit Peterli, fotografiert von Tierparkverwalter Heini Hediger. Foto Heini Hediger, 1938/39 zwar noch zwischen 80 und 150 Tiere, auf wenige, voneinander getrennte Bestände in Graubünden, am Neuenburger- und am Bielersee verteilt. Trotz staatlicher Schutzmassnahmen verschwand allerdings auch diese Restpopulation. Nebst der ZerstöSchweizer Revue / Dezember 2025 / Nr.5 22 Natur und Umwelt

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