halb der Polizei nicht durch klare Richtlinien geregelt werden – zu Entgleisungen führen können. Die Kantonspolizei hingegen scheinen die auf dem Felsen angewandten Methoden nicht zu beunruhigen. «Der Kausalzusammenhang zwischen der Ausbildung in Savatan und der Affäre um die WhatsApp-Gruppen der Lausanner Stadtpolizei ist keineswegs erwiesen», erklärte Staatsrat Vassilis Venizelos vor dem Grossen Rat des Kantons Waadt. Fest steht inzwischen: Bis 2029 werden die Kantone Waadt und Genf die Ausbildung ihrer Polizistinnen und Polizisten wieder selbst übernehmen. Es ist allerdings nicht der schlechte Ruf von Savatan, der zu dieser Massnahme geführt hat. Vielmehr handelt es sich um zentrifugale Kräfte und finanzielle Überlegungen, zumal der Mietvertrag von Savatan – die Anlage wird von der Armee gemietet – ohnehin ausläuft. Die grösste Herausforderung liegt darin, dass die Polizistinnen und Polizisten der Romandie alle nach dem gleichen Muster ausgebildet werden, obwohl sich die Methoden und die Kultur in jedem Kanton unterscheiden. sind jung und werden in einem Umfeld ausgebildet, in dem jeder menschliche Kontakt eine potenzielle Gefahr darstellt. Wenn sie dann in Genf ankommen, muss die gesamte Ausbildungsphilosophie revidiert werden», sagt Mike Berker. Nach Ansicht von Frédéric Maillard mag ein Jahr «auf dem Felsen» für gewisse Personen vielleicht geeignet sein. Er erinnert jedoch daran, dass die Genfer Polizei gegen diesen Umzug war, da die Kriminalpolizei bereits zuvor über eine spezielle Ausbildung für angehende Inspektorinnen und Inspektoren verfügte. «Früher nahm die Genfer Polizei auch Akademikerinnen und Akademiker und Personen aus dem Dienstleistungssektor auf, ohne dass die körperliche Leistung eines der Hauptkriterien war», sagt der Experte. Die Aussicht auf das frühmorgendliche Flaggenhissen auf dem einsamen Felsen schreckt diese Art von Kandidierenden jedoch ab. Im Jahr 2016 befragte die Genfer Soziologin Dominique Felder Polizeikommandanten aus den Kantonen Waadt und Wallis. Sie kam zu folgendem Ergebnis: «Der militärische Stil führt dazu, dass Intensität über Inhalt, Gehorsam über Urteilsvermögen und Konformität über Autonomie gestellt werden.» Das Dokument führte zu einer Reihe von Reformen. Savatan schliesst seine Türen Polizistinnen und Polizisten, die in Savatan ausgebildet wurden, berichteten von sexistischen und rassistischen Äusserungen und Verhaltensweisen seitens der Ausbildner. Hat die in Savatan herrschende Atmosphäre möglicherweise einen negativen Einfluss auf einige der in die Fälle der Waadtländer Polizei verwickelten Beamtinnen und Beamten gehabt? «Ich selber konnte bei einigen Anwärterinnen und Anwärtern beobachten, wie sehr sie durch Übungen konditioniert worden waren –, durch Übungen, in denen selbst dann Misstrauen gegenüber anderen Personen gelernt wurde, wenn diese um Hilfe bitten. Selbst sie gelten als potenzielle Bedrohung», sagt Frédéric Maillard. Nach Angaben einer externen Fachkraft, die Savatan besucht hatte, liess das Ausbildungszentrum bestimmte Äusserungen oder Verhaltensweisen zu, die – wenn sie innerDie Fälle von mutmasslicher Polizei- gewalt führte in der Westschweiz wiederholt zu öffentlichen Protesten. Hier eine Mahnwache für Roger Nzoy Wilhelm, der am Bahnhof von Morges zu Tode kam. Foto Keystone Schweizer Revue / Dezember 2025 / Nr.5 27
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