SwissCommunity 1/800 000 Die Fünfte Schweiz ist ein buntes, vielfältiges, vielsprachiges Puzzle aus weit über 800 000 Teilen. Das heutige Puzzleteilchen legt … … Vanessa Meister, 44. Sie lebt seit 2010 in Kerala, Indien. Sie ist Designerin und Kreativberaterin. Was braucht es, um sagen zu können: Da bin ich daheim? Für mich war es der Moment, in dem ich die Möglichkeit in Betracht zog, in Indien Kinder zu bekommen. Es dauerte eine Weile, bis ich die Kultur gut genug kannte und einen Tagesrhythmus gefunden hatte, bei dem ich mir vorstellen konnte, hier ein Kind zur Welt zu bringen. Das Warten hat sich gelohnt und ich möchte auch mit einigen Klischees über das Gesundheitswesen aufräumen: Meine beiden Geburtserfahrungen waren fantastisch und unvergesslich. Kann man mehrere Heimaten haben? Ja, ich denke, das ist möglich. Die Verbindung zu meinem Heimatland, in dem ich aufgewachsen bin – der Schweiz – und zu dem Land, das mich aufgenommen hat – Indien – ist zwar unterschiedlich, aber genauso stark. In beiden Fällen spüre ich grossen Respekt, immense Dankbarkeit und eine sehr tiefe Loyalität. Es geht nicht darum, sich für das eine oder das andere Land zu entscheiden, sondern darum, sich mit Vertrauen und innerer Stärke auf beide einzulassen. Wie und wann zeigst du im Alltag, dass du Schweizerin bist? Ich bin pünktlich und zuverlässig. Im Privatleben und auch bei der Arbeit. Ich glaube, diese Beständigkeit und ruhige Kraft habe ich von den Bergen und Flüssen der Schweiz übernommen. Welches Gericht weckt in dir heimatliche Gefühle? Zu Weihnachten schicken mir meine Verwandten normalerweise ein Paket, das mich immer zu Tränen rührt: Nussstängeli, Paprika-Chips, THOMY-Senf, Greyerzer Käse, Tourist-Schokolade und Cenovis (Brotaufstrich). Ich genies- se und teile sie – allerdings nur sehr spärlich – mit meinem engsten Freundeskreis. Fühlst du dich bei Besuchen in der Schweiz manchmal fremd? Ja, das tue ich. Ich fühle mich nicht unbedingt als Ausländerin, denn ich bin ein Mensch, der sich mühelos anpassen kann und ich weiss, wie ich mich verhalten und meine Rolle spielen muss. Doch manchmal fühle ich mich schon ein wenig abgekoppelt. Und zuweilen verhalte ich mich, nach Schweizer Höflichkeitsregeln bemessen, wahrscheinlich furchtbar. www.revue.link/puzzle EIN PUZZLE ZUM MITMACHEN Möchten Sie selber auch ein Puzzleteilchen legen und so zum Bild der bunten, vielsprachigen und vielfältigen Fünften Schweiz beitragen? Unter www.revue.link/puzzle finden Sie nicht nur alle bisherigen Beiträge, sondern auch die Kontaktmöglichkeiten, falls Sie mitwirken wollen. Das Herzstück der Serie bildet ein sehr umfangreicher Fragenkatalog, aus dem die Mitmachenden mindestens vier und höchstens acht Fragen herauspicken und beantworten dürfen. Diskurs Die Schweiz nach Trumps Verdikt: Mehr als ein Zollschock, «Revue» 4/2025 ANDREA ESSLINGER, THAILAND Nicht die Schweizer Wirtschaft bzw. die Exporteure müssen die Zölle bezahlen, sondern die Kunden in den USA. Es sind Importzölle, nicht Exportzölle. Das verstärkt vor allem die Inflation in den USA. Und die Schweizer Exportwirtschaft muss sich eben andere Märkte erschliessen. Die USA unter Trump sind erstens kein verlässlicher Partner und zweitens bald zahlungsunfähig. SUSANNE BOSS, OLDEN, NORWEGEN Ganz einfache Lösung: US-amerikanische Produkte ebenfalls mit 39 Prozent Zoll belegen! Mal sehen, was dann aus den USA kommt. RUDOLF MEGERT, RIO DE JANEIRO, BRASILIEN Schockierend indeed! Die ganze Welt, inklusive die US-Bürger und -Bürgerinnen, müssen nun über Generationen die Schuldenpolitik der Leute zu Washington bezahlen! Die Schweiz traf der Fluch, weil sie stets rausposaunt, ein reiches Land zu sein (was allerdings schon seit geraumer Zeit nicht mehr wirklich stimmt ...). JEAN-MARC SALVADÉ, SPANIEN Bei den US-Zöllen handelt es sich weder um eine Strafe noch um eine Sanktion. Donald Trump verteidigt seine eigenen Interessen. Das ist normal. Es ist Aufgabe der Schweizer Behörden, unsere Interessen zu verteidigen, Alternativen vorzuschlagen oder Gegenmassnahmen zu ergreifen. Oder haben wir Bundesbehörden, die dazu zu schwach sind? 35 Schweizer Revue / Dezember 2025 / Nr.5
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