Bargeld wird immer seltener genutzt. 2024 bezahlten Privatpersonen noch 30 Prozent ihrer alltäglichen Besorgungen mit Noten und Münzen. ferten Geldbündel in eine Maschine, die sekundenschnell Echtheit und Zustand jeder Banknote überprüft. Allfälliges Falschgeld landet bei der Bundespolizei. «Unfitte» Banknoten, die verschmutzt, eingerissen oder anderweitig nicht mehr den Standards entsprechen, werden aussortiert und landen direkt im Schredder und später in der Kehrichtverbrennung. 2024 wurden 30 Millionen Noten vernichtet. Im Gegenzug gab die Nationalbank 41 Millionen druckfrische Banknoten in Umlauf. «Eine hohe Qualität ist unsere Visitenkarte», betont Peter Eltschinger vom Bereich Bargeld, der die «Revue» 5 THEODORA PETER Das Herz des Bargeld-Kreislaufs pumpt in der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in Bern. Sie sorgt dafür, dass die Schweizer Banken für ihre Privat- und Geschäftskundschaft jederzeit über genügend Flüssiges verfügen. 2024 waren insgesamt Noten und Münzen im Wert von mehr als 76 Milliarden Franken im Umlauf – rund doppelt so viel wie vor 20 Jahren. Die «Schweizer Revue» erhielt für diesen Schwerpunkt einen seltenen Einblick hinter die streng geschützten Mauern der nationalen Geldversorgung. Im Untergrund der Nationalbank in Bern treffen täglich kistenweise Münzen und Noten ein. Gebracht werden sie von Geldlogistikunternehmen wie der Firma Loomis, welche Banken, Läden und Behörden mit Bargeld versorgt respektive dort abholt. Bevor das Geld erneut in den Kreislauf gelangt, wird es sortiert, kontrolliert und allenfalls ersetzt. Letztes Jahr gab die Nationalbank rund 244 Millionen Banknoten und 166 Millionen Münzen in Umlauf und nahm 238 Millionen Noten und 131 Millionen Münzen zurück. Im streng geschützten Untergrund Zutritt zum Bargeldbereich der Nationalbank am Berner Bundesplatz erhält die Reporterin nach einer Sicherheitsprüfung. Mit dem Lift geht es abwärts in den Untergrund. Nach Passieren einer Schleuse eröffnet sich ein Labyrinth aus verwinkelten Gängen und Treppenhäusern. Als Erstes betreten wir einen taghell erleuchteten Saal, der mit seinen Maschinen, Roboterarmen und Förderbändern einer kleinen Industrieanlage gleicht. Einziger Unterschied: Beim zu verarbeitenden Produkt handelt es sich um Schachteln voller Banknoten. An diesem Tag werden 50-Franken-Noten kontrolliert: Ein Mitarbeiter füllt die angelieauf dem Rundgang begleitet. Die Banknoten sind so beschaffen, dass sie einiges aushalten: Wiederholtes Falten oder Waschen sollte ihnen nichts anhaben. Die «fitten» Noten, die zurück in den Geldkreislauf gelangen sollen, werden maschinell neu verpackt und auf Förderbändern weiterspediert. Bevor die in Plastikfolie verschweissten Geldbündel in einer Transportkiste landen, kontrolliert eine Mitarbeiterin jedes Paket von Hand. Selbst wenn eine Note nur leicht geknickt ist, geht das ganze Paket zurück in die Maschine und wird nochmals neu aufbereitet. In allen Prozessen der Geldverarbeitung gilt das Mehrpersonenprinzip: Niemand arbeitet alleine. Alle Räume und Arbeitsstationen sind mit Videoüberwachung ausgestattet, «dies schützt auch die Mitarbeitenden», wie der SNB-Vertreter sagt. Der Lift führt weiter nach unten in die Münzverarbeitung. Hier ist der Lärmpegel deutlich höher als bei der geräuscharmen Notenverarbeitung. An diesem Tag rattern 20-Rappen-Stücke durch die Sortiermaschine. Die «unfitten» Münzen landen direkt in einem separaten Auffangbecken und gehen später zurück an die Herstellerin Swissmint. Die bundeseigene Münzprägeanstalt macht die Geldstücke unkenntlich und entsorgt das Metall. Die «fitten» Münzen wiederum werden in Papier eingerollt und erneut in Schachteln verpackt. Jeder Stückelung ist eine Farbe zugeteilt – für die Zwanzigräppler ist dies Rot. Auch in diesem Raum laufen die meisten Arbeitsschritte automatisiert ab. Handarbeit gefragt ist beim Aufschlitzen der angelieferten Münzrollen und beim Prüfen der Münzen, die nicht mit der Maschine verarbeitet werden können. An einer Wand prangt als Dekoration eine überraschende Leuchtschrift: «Geld und Wert. Das letzte Tabu». Der rote Schriftzug ist ein ErinIm Untergrund der Nationalbank in Bern: Bevor Münzen und Noten wieder in den Geldkreislauf gelangen, werden sie sortiert und neu verpackt – im Bild neu eingerollte 20-Rappen-Stücke. Foto SNB Schweizer Revue / Dezember 2025 / Nr.5
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