Schweizer Revue 5/2025

fast der Hälfte aller Transaktionen. Stark zugelegt haben Bezahl-Apps wie Twint. Beliebt ist «twinten» vor allem bei jüngeren Menschen, während Personen ab 55 Jahren oder solche mit tiefen Einkommen noch häufiger mit Bargeld bezahlen. Obwohl Münzen und Noten im Alltag immer seltener zum Einsatz kommen, wünschen 95 Prozent der Bevölkerung, dass Bargeld weiterhin als Zahlungsmittel zur Verfügung steht. Wie lässt sich dieses Paradox erklären? «Die Wahlfreiheit des Bürgers hat in der Schweiz einen hohen Stellenwert», sagt Eltschinger. Das Bargeld werde auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Die verschiedenen Zahlungsmittel ergänzten sich, betont der SNBVertreter. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bargeld kann unmittelbar und jederzeit eingesetzt werden, braucht als Zahlungsmittel weder Strom noch eine Internetverbindung. Zudem hinterlässt es keine Datenspuren und schützt damit die finanzielle Privatsphäre. Bargeld soll in die Verfassung In der Schweiz ist bereits heute gesetzlich vorgeschrieben, dass die Nationalbank das Land mit genügend Bargeld versorgen muss – und dies in der Landeswährung Schweizer Franken. Bundesrat und Parlament sind jedoch bereit, beide Grundsätze in die Verfassung zu schreiben, um ihnen mehr Gewicht zu geben: Was dort verankert ist, kann nur durch einen Entscheid von Volk und Ständen umgestossen werden. Damit nehmen die Behörden das Anliegen der 2023 eingereichten Initiative «Ja zu einer unabhängigen, freien Schweizer Währung mit Münzen oder Banknoten (Bargeld ist Freiheit)» auf. Sowohl die Initiative wie auch der direkte Gegenvorschlag des Parlamentes kommen am 8. März 2026 an die Urne. Hinter dem Volksbegehren steht die Freiheitliche Bewegung Schweiz (FBS) des früheren SVP-Politikers Richard Koller. Öffentlich in Erscheinung getreten war die Bewegung erstmals während der Corona-Pandemie, als sie gegen die Maskenpflicht und weitere Massnahmen wie beispielsweise das Impfen protestierte. Eine 2021 eingereichte Initiative gegen «Impfzwang» scheiterte 2024 an einem klaren Volks-Nein. Mehr Erfolg verspricht nun die Bargeld-Initiative, die im Frühling 2026 zur Abstimmung kommt. Die Initianten wollen sicherstellen, dass «Münzen oder Banknoten immer in genügender Menge zur Verfügung stehen». Ihnen missfällt die zunehmende Nutzung elektronischer Zahlmittel, welche digitale Spuren hinterlassen. Aus ihrer Perspektive ist Bargeld das einzig sichere Mittel gegen eine Überwachung der Bürgerinnen und Bürger. Keine Pflicht zur Bargeld-Annahme Nicht zur Abstimmung steht eine Pflicht zur Annahme von Bargeld in Läden, Restaurants oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine zweite Initiative der Freiheitlichen Bewegung mit dieser weitergehenden Forderung scheiterte bereits bei der Unterschriftensammlung. Trotzdem beschäftigt der Trend, dass vielerorts nur noch elektronisch bezahlt werden kann, die Politik. In Genf beschloss das Kantonsparlament jüngst eine Änderung des lokalen Gastronomiegesetzes: Demnach müssen Bars und Restaurants von ihren Gästen auch Noten und Münzen als Zahlungsmittel akzeptieren. In anderen Kantonen laufen ähnliche Bestrebungen. Auf nationaler Ebene ist ein politischer Vorstoss hängig, der alle Dienstleister dazu verpflichten will, Bargeld anzunehmen. Der Bundesrat lehnt einen solchen Zwang ab. (TP) nerungsstück an die Landessaustellung Expo.02. Damals beauftragte die Nationalbank den Kurator Harald Szeemann (1933–2005) mit der Gestaltung eines Pavillons. Herzstück der Ausstellung war eine Glasvitrine, in der ein Roboterarm pausenlos Hunderternoten in einen Aktenvernichter schob. Was wie eine provokative Wertvernichtung aussah, entpuppte sich als gewollter Trugschluss: Die «unfitten» Banknoten wären ohnehin aussortiert worden – wie dies bis heute täglich im Keller der Nationalbank unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschieht. Paradoxes Zahlungsverhalten Zum Abschluss des Rundgangs befördert uns der Lift wieder hinauf ans Tageslicht. Im holzgetäfelten «Salon bleu», dem Sitzungszimmer des Bankrates, sprechen wir mit Peter Eltschinger über das Zahlungsverhalten der Bevölkerung. Immer weniger Menschen nutzen Bargeld. Gemäss Nationalbank-Umfrage von 2024 zahlten Privatpersonen nur noch 30 Prozent ihrer alltäglichen Besorgungen mit Bargeld. 2017 lag der Cash-Anteil noch bei rund 70 Prozent. Am häufigsten wird heute in der Schweiz mit Debit- oder Kreditkarte bezahlt – bei «Unfitte» Banknoten landen im Schredder. 2024 wurden rund 30 Millionen Noten vernichtet, 41 Millionen druckfrische Noten kamen neu in Umlauf. Foto SNB Schweizer Revue / Dezember 2025 / Nr.5 6 Schwerpunkt

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