Schweizer Revue 1/2022

Schweizer Revue / Februar 2022 / Nr.1 14 Politik EVEL INE RUTZ Applaus allein reicht nicht. Mit diesem Slogan haben die Pflegenden in den letzten Monaten für bessere Bedingungen gekämpft. Eine Mehrheit des Schweizer Stimmvolks teilt ihre Ansicht. Rund 61 Prozent haben sich am 28. November 2021 für die Initiative «für eine starke Pflege» (siehe auch «Schweizer Revue» 5/2021) ausgesprochen. Die Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer sagten mit 58,3 Prozent ebenfalls deutlich Ja. Das Resultat ist inmehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum ersten Mal ist es einem Volksbegehren aus gewerkschaftlichen Kreisen gelungen, auf nationaler Ebene zu reüssieren. Die Initiative ist zudem erst das 24. Volksbegehren in der Geschichte des Bundesstaates, das angenommenwurde. Sie erlangte ungewöhnlich hohe Zustimmung und mobilisierte stark. Die Stimmbeteiligung lag bei 65,3 Prozent und erreichte damit den vierthöchsten Wert seit 1971. Damals wurde das Wahl- und Stimmrecht für Frauen eingeführt. Dass sich vieleMenschen an der Abstimmung beteiligten, hat auch mit dem Covid-Gesetz zu tun. Dieses stand am gleichen Tag zur Debatte und war hitzig diskutiert worden. Erst applaudierten die Menschen auf ihren Balkonen – jetzt aber belohnen sie die Pflegenden an der Urne Bessere Arbeitsbedingungen, mehr Autonomie, höhere Wertschätzung: Die Pflege wird in der Schweiz gestärkt. Die Initiative des Berufsverbands der Pflegenden hat an der Urne einen historischen Sieg errungen. Ihre Umsetzung wird allerdings noch zu reden geben. Die vor der Abstimmung erneut hochschnellenden CoronaZahlen haben die bedeutende Rolle der Pflegenden verdeutlicht und zum klaren Ja zur Initiative beigetragen. Foto Keystone

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