Schweizer Revue 3/2023

THEODORA PETER Wie viele Männer und Frauen tatsächlich antreten werden, zeigt sich im August, wenn in den 26 Kantonen die Frist für die Einreichung der Kandidaturen abläuft. Es ist gut möglich, dass dann der bisherige Rekord von 2019 geknackt wird. Bei den letzten nationalen Wahlen wollten mehr als 4600 Kandidierende einen der 200 Sitze im Nationalrat ergattern. Und über 200 bewarben sich für die insgesamt 46 Sitze im Ständerat. Auch diesen Herbst dürften erneut dicke Couverts in die Briefkästen der Wahlberechtigten flattern. Der Umschlag enthält nicht nur ein Bündel mit Wahllisten, sondern auch zahlreiche Wahlprospekte, in denen sich Parteien und Kandidierende im besten Licht präsentieren. Angesichts des Papierbergs stellt sich bei manchen Wahlberechtigten ein leichtes Gefühl der Überforderung ein. Jeder Kanton ein Wahlkreis Wie umfangreich das Wahlcouvert tatsächlich sein wird, hängt nicht zuletzt davon ab, in welchem Kanton man stimm- und wahlberechtigt ist. Dies gilt auch für die Auslandschweizerinnen und -schweizer. In den beiden bevölkerungsreichsten Kantonen Zürich und Bern werden 36 respektive 24 Nationalrätinnen und -räte gewählt. In mittleren Kantonen schwankt diese Zahl zwischen 19 und 7, in kleineren zwischen 6 und 1. Hinzu kommen die Listen für ein bis zwei Ständeratssitze. Auch in kleineren Kantonen ist die Qual der Wahl gross, übersteigt doch die Auswahl an Kandidierenden bei weitem die Zahl der zur Verfügung stehenden Sitze. Und anders als bei einer kommunalen Wahl, bei denen man die Kandidierenden aus dem Dorfleben kennt, ist die örtliche Distanz bei eidgenössischen Wahlen ungleich grösser. Denn das Bewerberfeld rekrutiert sich aus dem ganzen Kantonsgebiet. Ob in der Nähe oder aus der Ferne: Das Ausfüllen der Wahlzettel ist ein demokratisches Recht, das mit Anstrengungen verbunden ist. Wie finde ich heraus, welche Parteien und Kandidierenden meine eigenen politischen Überzeugungen am besten vertreten? Smartvote: Fragebogen und Spinnennetz Wer bereit ist, etwas Zeit in die passende Wahlentscheidung zu investieren, kann sich auf Smartvote.ch registrieren. Die von einem wissenschaftlichen Netzwerk betriebene Plattform funktioniert ähnlich wie eine Online-Partnersuche: Man klickt sich durch eine Reihe von Fragen, die zuvor bereits von den Kandidierenden beantwortet wurden. Statt um Persönliches geht es dabei um zentrale Themen der Schweizer Politik – darunter etwa die Altersvorsorge, die Wen wählen? Und wie? Wahlhilfen im Überblick Für die eidgenössischen Wahlen vom 22. Oktober werden erneut Tausende für die 246 Sitze im Parlament kandidieren. Die grosse Auswahl macht den Wahl-Entscheid nicht einfach. Online-Plattformen wie Smartvote bieten dazu Werkzeuge an. Krankenkassenprämien oder auch Fragen zu Steuern, Umwelt und Zuwanderung. Am Schluss ploppt auf dem Bildschirm eine Liste mit «Matches» auf – mit den Namen derjenigen Kandidierenden, die prozentual am stärksten mit den eigenen Positionen übereinstimmen. Darüber hinaus lässt sich ein sogenannter Smartspider abrufen: Die Grafik visualisiert über acht thematische Achsen hinweg die politische Verortung auf einem Spinnennetz (zwei Beispiele siehe Seite 13). Für die Wahlen 2023 wird der Fragebogen bis im Sommer überarbeitet, wie Smartvote-Projektmanager Michael Erne im Gespräch mit der «Schweizer Revue» erklärt. Um Vergleiche mit früheren Wahlen zu ermöglichen, bleibt ein Grossteil der Fragestellungen unverändert oder wird aktualisiert. Ganz neu wird rund ein Viertel der insgesamt 75 Fragen. «Angesichts des Kriegs in der Ukraine und der Inflation gewinnen Themen wie Sicherheit, Neutralität und Kaufkraft bei diesen Wahlen an Bedeutung», sagt Erne. Mehr Gewicht erhalten auch Fragen zur Digitalisierung, welche alle Lebensbereiche betrifft. Neue Version ab Ende August online Bereits im Frühling konnte das Publikum eigene Themen-Inputs einreichen. Auf der erstmals eigens dafür aufgeschalteten Plattform «BePart» gingen laut Erne rund 200 Vorschläge ein – darunter zum Beispiel Fragen wie: «Soll die Schweiz die Wiederausfuhr von Munition und Waffen an Drittländer erlauben?» oder «Sind Sie für einen Beitritt zum EWR?» Die Vorschläge fliessen in die Weiterentwicklung von Smartvote ein – nebst Inputs aus Politik und Wissenschaft. Nach Tests wird der neue Fragebogen Politik für die Jüngsten Jedes Jahr besuchen rund 100 000 Personen das Bundeshaus in Bern. Unter ihnen befinden sich auch viele Schulklassen, die an einer Führung teilnehmen oder während Parlamentssessionen die Debatten von National- und Ständerat verfolgen. Im 2022 erschienenen Heft «Auf ins Bundeshaus!» des Schweizerischen Jugendschriftenwerks (sjw) taucht die junge Melissa in eine ihr neue Politwelt ein. Für Turbulenzen sorgt, dass die Schülerin ihre Maus Luna mit ins Parlamentsgebäude schmuggelt. Auf ihrer Erkundungstour erleben die beiden Protagonistinnen einige Abenteuer und erfahren gleichzeitig, wie Politik vor und hinter den Kulissen funktioniert. (TP) Schweizer Revue / Mai 2023 / Nr.3 12 Politik

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