Schweizer Revue 3/2023

Aussagekraft: In zahlreichen Kantonen verzichten die Jägerinnen und Jäger auf die Hasenjagd, zumal das Tier als verletzliche Spezies auf der «roten Liste» der gefährdeten Arten figuriert. Die unbestechlichste und zugleich blutigste Statistik belegt aber den anhaltenden Niedergang des Feldhasen: Es ist die Statistik der von Autos überfahrenen oder von landwirtschaftlichen Maschinen getöteten Wildtiere. In dieser «Fallwildstatistik» figurierten in den 1980er-Jahren etwa 4000 Hasen. Heute sind es noch gut 1000. Die Felder sind öde geworden Prekär ist des Feldhasens Lage vor allem im Schweizer Mittelland: «Hier ist die Situation des Feldhasen wirklich nicht gut und wir erkennen keinen Hinweis auf Erholung», sagt BafuBiologin Claudine Winter. Der Hauptgrund ist rasch gefunden: Dem Hasen fehlen in der ausgeräumten Agrarlandschaft des Mittellands die «Kleinstrukturen», etwa Hecken, die den Jungtieren Schutz bieten. Auf offenem Wiesland werden diese leichte Beute für Füchse, Katzen und Greifvögel. Aber auch die Bewirtschaftungsform dezimiert die Hasenbestände: «Würden Wiesen so spät wie möglich gemäht, dann trüge dies zum Schutz des Hasenbestands – und der Rehkitze – bei.» Nur gibt es in der Schweiz diesbezüglich keine so weitreichenden Vorschriften. Was heisst das für die kindliche Erfahrung an Ostern und darüber hinaus? Hasen erblicken wir zuerst in ihrer künstlichen Form. Und selbst jene, die am Hasenbühl oder Hasenacker wohnen, sehen da wohl zeitlebens nie einen wild lebenden Feldhasen. Es ist wenn schon der Hasen Feind, Der in der Schweiz heimische Feldhase stammt ursprünglich aus den Steppen der Ukraine und Südrusslands. In der Jungsteinzeit verbreitete er sich, zusammen mit dem Ackerbau, auch in der Schweiz. Foto iStock der sich bis ins Wohnquartier wagt: Füchse, die im urbanen Raum zurechtkommen, werden zahlreicher. EIn golden glänzender Erfolg Der Feldhase ist ein Fruchtbarkeitssymbol. Bis viermal pro Jahr kann eine Häsin Junge werfen. Grundsätzlich ist kaum ein Wildtier vermehrungsfreudiger – wenn es denn eine ihm freundliche Umwelt anträfe. So sind wiederum allein die Chocolatiers für die Vermehrungsrekorde zuständig: So produziert Lindt & Sprüngli pro Jahr weltweit rund 150 Millionen ihrer in glänzende Alufolie verpackten Goldhasen. Schweizer Revue / Mai 2023 / Nr.3 15

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