Die Schweiz verfügt über eine der höchsten Bootsdichten weltweit. Aber an einen Liegeplatz zu kommen, ist alles andere als einfach. Allein in Genf (Bild) sind mehr als 1000 Personen auf der Warteliste. Foto Stéphane Herzog starke Winde haben kann. «Beim letzten Wettkampf rund um die schnellste Weltumsegelung kam es am Ende in der Bretagne zu einem Sturm mit Windspitzen von 80 km/h, während auf dem See bereits Windgeschwindigkeiten von 140 km/h gemessen wurden», erinnert er sich. Seen können gefährlich sein, wie beispielsweise ein Unfall auf dem Zugersee im Juni 2024 zeigte, nachdem das Wrack eines Segelboots mit einem Segler an Bord in 80 Metern Tiefe gefunden wurde. Das Boot war während einer Regatta gesunken. Im Jahr 2019 fegte ein Sturm über den Bol d’Or, die grösste Binnenseeregatta der Welt, hinweg. Eine Stunde lang tobten Winde mit einer Geschwindigkeit von über 100 km/h über den Booten. In der Folge mussten 212 der 465 teilnehmenden Boote aufgeben. Opfer gab es glücklicherweise keine. Solche Bedingungen erinnern ans Meer und jedes Jahr wagen viele Schweizerinnen und Schweizer den Schritt auf die offene See. Dazu benötigen sie einen Hochseeausweis. Der entsprechende theoretische Kurs dauert 14 Wochen und wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Anschlies- send müssen 1000 Seemeilen, also 1850 Kilometer, auf dem Meer zurückgelegt und von einer Skipperin oder einem Skipper bestätigt werden. Jedes Jahr legen rund 800 Schweizerinnen und Schweizer die Prüfung ab, berichtet Daniel Rossier. «Der Schweizer Hochseeausweis ist sehr anspruchsvoll», meint der 82-jährige Seemann, der bereits auf allen Meeren unterwegs war. Es habe ihn immer wieder erstaunt, wie viele Landsleute man in den Häfen, insbesondere in der Karibik, treffe. Eine weitere Herausforderung im Segelsport ist die Suche nach einem Liegeplatz. Ein solcher ist notwendig, wenn das Boot einen Kiel hat oder zu gross ist, um in der Nebensaison an Land geholt zu werden. Der Traum vom eigenen Boot scheitert oft am chronischen Mangel an Liegeplätzen. Ende 2025 standen in Genf laut Behördenangaben über 1000 Personen auf der Warteliste. Paradoxerweise werden nur wenige Boote regelmässig ausgefahren. Man müsste die Boote gemeinsam nutzen oder gar diejenigen aus dem Wasser holen, die ständig am Kai liegen. «Aber man kann ja keine Zähler anbringen», bemerkt der Verantwortliche der APB, Olivier von Arx, der nach eigenen Angaben keine Gelegenheit zum Segeln auslässt. «Ich fahre 300 Meter auf den See hinaus, schalte den Motor aus und geniesse die Weite und die Ruhe», schwärmt er. Auch die Übertragung eines Liegeplatzes auf einen Angehörigen unterliegt weiterhin strengen Bedingungen. Deshalb gibt es immer noch zu wenige Plätze. «Und das ist auch gut so», meint Bernard Schopfer und weist darauf hin, dass die Fläche der Schweizer Seen schliesslich nicht erweiterbar ist. Das Land der Süsswasser-Segelfans Im Jahr 2024 waren in der Schweiz laut offiziellen Angaben 94 372 Privatboote registriert, darunter 63446 Motorboote und 25385 Segelboote. Auf 353 Einwohnende kam ein Segelboot. Damit übertrifft die Schweiz Frankreich (380) und Italien (394). Mit dem Ergebnis lag die Schweiz weltweit auf Platz fünf, während Norwegen (92) und Neuseeland (173) den ersten und zweiten Platz belegten. (SH) Schweizer Revue / April 2026 / Nr. 2 18 Reportage
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