Schweizer Revue 2/2026

Aus dem Bundeshaus AMANDINE MADZIEL Unter den Bezeichnungen «Schweizer Wohltätigkeitsgesellschaften», «Helvetische Wohltätigkeitsgesellschaften», «Schweizerische philanthropische Vereinigungen» oder «Schweizer Hilfsgesellschaften» gibt es bis heute weltweit zahlreiche Vereinigungen und Organisationen, die mit den Auslandschweizerinnen und Auslandschweizern in Verbindung stehen. Lange Zeit war die Schweiz ein Auswanderungsland Viele Schweizer Wohltätigkeitsorganisationen entstanden ursprünglich, um den wachsenden Bedarf an Vermittlungs- und Unterstützungsleistungen infolge der starken Auswanderungswelle im 18. und 19. Jahrhundert zu decken. Damals veranlassten das harte Leben auf dem Land, die Geissel der Armut und der allgemeine Mangel an Lebensgrundlagen zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer dazu, sich auf die Suche nach einer besseren Zukunft zu begeben. Viele FaSeit mehr als 200 Jahren weltweit tätig Seit über 200 Jahren unterstützen Schweizer Hilfsgesellschaften ihre Landsleute im Ausland. Einst aus der Not heraus entstanden, bilden sie heute weltweit lebendige Netzwerke der Solidarität, der Bewahrung der Kultur und der gegenseitigen Hilfe. milien beschlossen, den Atlantik zu überqueren, und liessen sich unter anderem in den Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien oder Brasilien nieder. Auch die Nachbarländer der Schweiz wie Frankreich und Deutschland waren durchaus beliebte Auswanderungsziele. Infolge dieser Migration wurden weltweit Vereinigungen ins Leben gerufen, von denen viele bis heute aktiv sind, von Kanada über Lateinamerika, Ozeanien und Europa bis hin zu den Philippinen. Sie entstanden sowohl in den Zielländern als auch auf den Migrationsrouten, beispielsweise in grossen Seehäfen wie Bordeaux oder New York. 200 Jahre im Dienste der Schweizer Bevölkerung Einige Vereinigungen, wie beispielsweise die Schweizer Wohltätigkeitsgesellschaften in Paris und Bordeaux, konnten bereits ihr 200-jähriges Bestehen feiern. Diejenige in Berlin besteht seit über 180 Jahren und jene in Wien seit immerhin 160 Jahren. Diese traditionsreichen und gut strukturierten GeEin Zeugnis der kulturellen Vitalität und der Weitergabe von Schweizer Traditionen über Generationen hinweg. Die Schweizer Vereinigung «Helvetia San Jerónimo Norte» heute – Argentinien. Foto zvg meinschaften entwickelten ein tiefes humanitäres Bewusstsein. Im Kern bestanden die Aufgaben der Schweizer Hilfsgesellschaften oft darin, «bedürftigen Schweizerinnen und Schweizern» fernab ihrer Heimat beizustehen. Die Wiederherstellung des durch die Auswanderung verloren gegangenen sozialen Gefüges zeugt von der Solidarität unter Landsleuten. Die geleistete ehrenamtliche Arbeit hat – und das darf man nicht vergessen – die Aufgaben des Sozialstaates zugunsten seiner Bürgerinnen und Bürger ergänzt und tut dies auch heute noch. Manchmal übernehmen diese Hilfsgesellschaften sogar koordinatorische Aufgaben. Sie springen ein, wenn die staatliche Hilfe an ihre Grenzen stösst, und erschaffen auf ihre ganz eigene Art und Weise das Umfeld wieder, das man verliert, wenn man sein Heimatland hinter sich lässt. Die ursprüngliche Aufgabe, mittellosen Schweizerinnen und Schweizern zu helfen, hat sich stark gewandelt. Heutzutage sind die Aktivitäten der Hilfsgesellschaften auf der ganzen Welt vielfältig und abwechslungsreich. 30 Schweizer Revue / April 2026 / Nr. 2

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