Schweizer Revue 4/2026

habt habe: Umweltverschmutzung, gesundheitliche Schäden und Ausbeutung der Minenarbeiter, besonders unter dem Apartheid-Regime. Schweizer Banken hätten eine Rolle gespielt, indem sie Kredite für Minen vergeben hätten. Die Schweiz wurde zu einem zentralen Umschlagplatz für Gold aus Südafrika. Alpen als symbolischer Schutzraum Groens These führt damit über den Zweiten Weltkrieg hinaus. Er argumentiert, dass das Bild der Alpen als sicherer Ort im Kontext der Landesverteidigung entstand. Nach dem Krieg sei es von den Banken übernommen worden, um Sicherheit zu vermarkten: die Alpen als symbolischer Schutzraum, der Vertrauen und Sicherheit ausstrahlt. Illustriert wird dies mit einem Werbeplakat der Credit Suisse aus dem Jahr 1982, das ein Bild der schneebedeckten Schweizer Berge zeigt. Die beiden in den 60er-Jahren in der Schweiz gedrehten Bond-Filme «Goldfinger» und «Im Geheimdienst ihrer Majestät» hätten das Bild der Schweiz als sicherer Ort verstärkt. Groen: «Wie die Schweiz darin einem weltweiten Publikum präsentiert wurde, zeigt, wie wichtig die kulturelle Konstruktion des Alpenlandes war.» mee und Nationalbank prüften deshalb verschiedene Möglichkeiten, die Goldbestände in sichere Alpenstandorte zu verlegen. Als Vorbild diente auch Fort Knox in den USA, das 1936 eröffnet wurde und grosse Mengen des US-Goldes in einer stark befestigten Militäranlage lagerte. Eines der ersten Golddepots wurde mitten im militärischen Réduit – den Verteidigungsanlagen in den Alpen, mit denen die Schweizer Armee potenzielle Angreifer abschrecken wollte – im besagten Fort Bühl direkt über dem Gotthard-Tunnel errichtet. Das war laut dem Autor logistisch sinnvoll, aber auch symbolisch: «Der Gotthard ist ein stark aufgeladener Ort der Schweizer Geschichte.» Gold wurde Teil der Landesverteidigung. Kurz nach Ausbruch des Krieges störte sich General Henri Guisan daran, dass die SNB nur über ein Depot in den Alpen verfügte. Der Generalstab der Armee schlug daraufhin eines der Munitions-Depots in Interlaken im Berner Oberland vor, das kurzfristig für die Lagerung von Gold verfügbar gemacht werden könnte. Schliesslich wurde auch hier während des Krieges Gold gelagert. Und auch zu diesem Depot zeichnet der Autor die Transporte minutiös nach – beispielsweise mit Spesenabrechnungen, die genaue Details wie Kosten für Mittagessen inklusiv Trinkgeld enthielten. Groen hat diese Belege abgeglichen – etwa mit dem Bericht der Bergier-Kommission, die die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg untersuchte, oder wirtschaftshistorischen Studien. Dabei zeigte sich: Die Transporte fallen zeitlich mit bekannten Goldlieferungen aus dem Ausland zusammen. So entsteht ein Muster: Gold kam in der Schweiz an und wurde kurz darauf in die Alpen weitertransportiert. Strategische Kehrtwende der Schweiz Im Laufe des Krieges änderte sich der Zweck der Golddepots. 1940 machte die Schweiz eine strategische Kehrtwende, wie Groen ausführt – weg von militärischer Verteidigung, hin zu wirtschaftlicher Kooperation. Fortan ermöglichten die Golddepots durch den Handel mit geraubtem Gold eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Nazi-Deutschland. Die Depots in Interlaken und am Gotthard waren laut Groen nicht länger Evakuierungsorte, die von Bombern getarnt werden mussten. Vielmehr wurden sie zu effizienten logistischen Drehkreuzen. Auch Geschäftsbanken wie die Schweizerische Kreditanstalt und die Schweizerische Bankgesellschaft planten, ihre Banknoten, Wertpapiere und Gold in die Alpen zu verlegen. Leere Grandhotels in Interlaken oder Gstaad sollten als Ausweichstandorte dienen. Laut Groen wurden Pläne zur Sanierung der in die Jahre gekommenen Hotels und zum Einbau von Tresorräumen im Keller vorbereitet, aber nie vollständig umgesetzt. Das Buch endet nicht mit dem Krieg, sondern zeigt die globale Dimension des Goldhandels. Hinter dem Gold stehe eine Lieferkette, sagt Groen. In Südafrika werde deutlich, welche Folgen der Abbau von Gold ge- «Mountains of Gold» Ludo Groen. Gta-Verlag, 2026. Die Alpen als sicherer Ort: Nach dem Krieg vermarkteten Banken dieses Bild, sagt der Architekturhistoriker Ludo Groen. Foto ZVG/ ETH, Michel Büchel Schweizer Revue / Oktober 2026 / Nr. 4 15

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