Schweizer Revue 2/2024

tigt, hält sie sich bei politischen Forderungen stets zurück. Sie möchte fachliche Grundlagen liefern, erklärt der Biologe. Eine Ausnahme bildet die Biodiversitätsinitiative, über die 2024 abgestimmt wird. Die Vogelwarte spricht sich für das Volksbegehren aus, das mehr Flächen und Mittel für die Artenvielfalt fordert. Um die Lebensräume der Vögel aufzuwerten, engagiert sich die Vogelwarte aber vor allem direkt vor Ort. Dabei arbeitet sie mit Bäuerinnen und Bauern zusammen, die naturnah produzieren. Vögeln und Hasen gefällts So hat sie in der Genfer Champagne und im Schaffhauser Klettgau geholfen, preisgekrönte ökologische Ausgleichsflächen in landwirtschaftlichen Gebieten zu schaffen. Dort nehmen jetzt nicht nur die Bestände der Feldlerche wieder zu, auch der Feldhase ist wieder da, sagt Rey. Der 33-jährige Berner arbeitet seit acht Jahren bei der Vogelwarte. Sein Favorit ist der attraktive Wanderfalke, Tempo-Rekordhalter in der Tierwelt: Im Sturzflug erreicht er 200 Stundenkilometer. Er kommt fast überall auf der Welt vor: «Das verbindet.» Und er ist ein Beispiel für erfolgreichen Artenschutz. In den 1960er-Jahren stand der Wanderfalke aufgrund des grossflächigen Einsatzes des Insektizids DDT kurz vor dem Aussterben. Eine internationale Umweltbewegung kämpfte gegen das Mittel und erreichte Verbote, 1972 auch in der Schweiz. Seitdem geht es mit dem Wanderfalken wieder aufwärts. «Er ist der lebende Beweis, was man mit Engagement erreichen kann», sagt Rey. Auch Vogelarten in Feuchtgebieten, also an Gewässern oder Mooren, leiden. Ihnen setzen unter anderem Freizeitaktivitäten der Menschen zu. «Vögel sind ein Spiegelbild der Umwelt», fasst der Experte zusammen, «sie zeigen sehr gut, wie wir mit der Umwelt umgehen.» Das Wissen über die Entwicklung basiert auch auf den umfangreichen Daten der Vogelwarte. Das Monitoring, also das Zählen von Beständen, ist seit Jahrzehnten einer ihrer Schwerpunkte. Über 2000 Freiwillige im ganzen Land unterstützen sie dabei, von der pensionierten Naturwissenschaftlerin bis zum Gleisbauer. Die Erforschung des Vogelzugs ist ebenfalls ein zentrales Thema der Vogelwarte geblieben. Die Technik hat sich jedoch verändert. Heute werden Zugvögel nicht mehr nur mit Ringen ausgerüstet, sondern auch mit federleichten Datenspeichern, sogenannten Geolokatoren, die den Vögeln wie ein Rucksack am Körper angezogen werden. Sie liefern «beeindruckende Erkenntnisse», sagt Rey. Zum Beispiel bleibt der Alpensegler 200 Tage ununterbrochen in der Luft. Der kleine Drosselrohrsänger erreicht auf dem Zug eine Höhe von bis zu 6000 Metern. Mit Landwirtschaft zusammen Obwohl sich die Vogelwarte seit etwa fünfzig Jahren verstärkt mit den Lebensbedingungen der Vögel beschäfDer Wanderfalke – hier im temporeichen Sturzflug – ist ein Beispiel für gelungenen Artenschutz. In den 1960er-Jahren stand er wegen eines Insektizids vor dem Aussterben. Eine 1972 beschlossene Massnahme rettete aber sein Überleben. Foto Keystone www.vogelwarte.ch www.ornitho.ch Schweizer Revue / März 2024 / Nr.2 11

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