Schweizer Revue 1/2026

DENISE LACHAT Smartphones wurden nicht für Kinder entwickelt – aber sie haben das Wesen der Kindheit innert kürzester Zeit verändert: So lautet die Feststellung der internationalen Elternbewegung «Smartphone Free Childhood». Darin haben sich Eltern zusammengeschlossen mit dem Ziel, das Smartphone möglichst lange von Kindern fernzuhalten. Ihr Argument: Kinder würden in eine digitale Welt hineingezogen, die darauf ausgelegt sei, sie süchtig zu machen. Dass diese Sucht tiefgreifende Auswirkungen auf die Entwicklung, die psychische Gesundheit und die Beziehungen unter den Kindern hat, beschreiben diverse Studien. Insbesondere die amerikanischen Forscher Jonathan Haidt und Jean Marie Twenge stellen fest, dass seit der Einführung von Smartphones die Raten von Depressionen, Angstzuständen und Selbstmordgedanken bei Jugendlichen deutlich angestiegen seien, während gleichzeitig die Konzentrations- und Lernfähigkeit von Kindern massiv abgenommen habe. Verbote im Trend Verschiedene Länder reagieren mit Verboten. Italien und Frankreich haben das Smartphone bereits vor Jahren aus der Schule verbannt, Anfang 2024 handelten auch die Niederlande. Und im Herbst 2025 zog das am stärksten digitalisierte Land Europas nach: Dänemark, wo die Kinder bereits bei Schuleintritt Tablets erhalten, verbietet Schülerinnen und Schülern, ihr Smartphone in die Schule mitzubringen. Das Argument ist überall dasselbe. Während Computer und Tablets für den Unterricht eingesetzt werden können und sollen, stören private Smartphones die Konzentration und die Ruhe im Klassenzimmer und schaden dem Gemeinschaftsgefühl. In der föderalen Schweiz, in der die Bildungshoheit nicht beim Bund, sondern bei den Kantonen liegt, gleicht die Situation einem Flickenteppich. Der politische Trend geht aber ebenfalls in Richtung Verbot. Die Waadt und das Tessin haben Handys, wie man die Geräte in der Deutschschweiz oft nennt, an Schulen schon vor längerer Zeit verboten. Seit diesem Schuljahr gehören auch Nidwalden, Wallis, Aargau und Neuenburg dazu. Vergleichbare Vorstösse gibt es in Zug und im Thurgau, in anderen Kantonen wird ein Verbot teilweise nur mit dem Hinweis auf die Zuständigkeit der einzelnen Gemeinden abSoll das Smartphone zu Hause bleiben? Klare Regeln oder gar ein generelles Verbot von Smartphones in Schulen: Diese politische Forderung wird auch in der Schweiz immer öfters gestellt. Gleichzeitig wird die Frage nach einem Social-Media-Verbot für Minderjährige gestellt. gelehnt. Viele Schulen kennen Regelungen, aber oft, ohne explizit zu verbieten, ihr Handy mit in die Schule zu nehmen. So müssen Schülerinnen und Schüler die Handys beispielsweise vor Unterrichtsbeginn an einem sicheren Ort deponieren. Je nachdem bleiben diese auch während der Pausen dort. Sicher ist: Verbote werden unabhängig von der politischen Couleur gefordert. Zudem wissen deren Verfechter eine klare Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hinter sich. Gemäss einer Studie des Schweizer Forschungsinstituts Sotomo sprechen sich rund 80 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer für ein HandyverIm Wallis sind Mobiltelefone im Schulzimmer bereits Vergangenheit: Schülerinnen deponieren in der Schule ihr Gerät in der «Handy-Garage». Foto Keystone Schweizer Revue / Februar 2026 / Nr.1 14 Gesellschaft

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