Schweizer Revue 1/2026

Aus dem Bundeshaus APOLLINE SIX Die 1973 gegründete gemeinnützige Offizielle Schweizer Chronometerkontrolle (COSC) spielt eine entscheidende Rolle für die Gewährleistung der Präzision von Schweizer Uhren. Die unabhängige, international anerkannte Institution unterzieht mechanische Uhren einer Reihe von gründlichen Tests. Nur Zeitmesser, deren Genauigkeit den Anforderungen der ISO-Norm 3159 entspricht, werden als Chronometer zertifiziert. Dieses Streben nach Präzision zeigt sich besonders im Bereich des Sports, wo die Professionalisierung und der Wettbewerb immer mehr zunehmen. Die Zeitmessung ist hier ein entscheidendes Element, steht sie doch für die Essenz einer Leistung, die eine sportliche Anstrengung von einem Rekord unterscheidet. Die Schweizer Diplomatie und die Schweizer Uhrenindustrie prägen diesen Bereich seit mehreren Jahrzehnten massgeblich. Das Paradebeispiel ist hier die Zeitmessung bei den Olympischen Spielen – einem Sektor, der von einem raschen technologischen Wandel geprägt ist. Die Olympischen Winterspiele in St. Moritz Die Olympischen Winterspiele 1928 in St. Moritz bedeuteten den Höhepunkt jahrelanger Bemühungen, den Alpentourismus und das Image der Schweiz auf internationaler Ebene zu fördern. Für die Schweizer Bundesregierung war das Ereignis von grosser diplomatischer Bedeutung: Es bot die Möglichkeit, verschiedenste Akteure zusammenzubringen und die Schweiz als attraktive, zuverlässige Partnerin zu positionieren. 1948 wurden die Olympischen Spiele erneut in der Schweiz ausgetragen. Diesmal bot sich die Gelegenheit, das Know-how der Schweizer Uhrmacher unter Beweis zu stellen. Bei diesem Anlass kam erstmals ein vollautomatischer Chronograf von Omega zum Einsatz, mit dem sich die Zeit beim Überqueren der Ziellinie exakt messen liess. Die Spiele erhöhten zudem die internationale Zeitanzeige bei den Olympischen Spielen in Innsbruck 1964. Auf der offiziellen Anzeigetafel sind die Logos von Longines und Omega zu sehen. Foto Norwegisches Nationalarchiv Zeitmessung: Schweizer Know-how im Dienst des Sports Die Schweiz hat die «Beherrschung der Zeit» zur Kunstform erhoben und so ihr internationales Ansehen gesteigert. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts stellt die Schweizer Uhrenindustrie Zeitmesser her, die jedem Augenblick einen besonderen Wert verleihen. Das über Generationen weitergegebene und stetig verfeinerte Know-how macht die Schweiz zum Symbol von Zuverlässigkeit und Präzision. schen Konkurrenz, die insbesondere durch die Zeitmessung bei den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo an Einfluss gewann, gesellte sich eine zweite Herausforderung: die wachsende Rivalität zwischen den Schweizer Unternehmen selbst. Inzwischen konkurrierten Omega und Longines um den strategisch wichtigen Sektor der Sportzeitmessung. Dies bereitete auch dem Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) Kopfzerbrechen. Die mit der Zeitnahme beauftragten Unternehmen, die anfangs für ihre Dienste bezahlt wurden, erkannten in den 1970er-Jahren bald das Werbepotenzial durch die Übertragung grosser Wettkämpfe in Farbe. Da die Olympischen Spiele das weltweit am meisten beachtete Sportereignis sind, boten sie ihre Dienstleistungen mitunter sogar kostenlos an. Nach jahrelangen Spannungen beschlossen die Uhrenhersteller schliesslich, ihre Kräfte zu bündeln. Im Jahr 1972 gründeten sie SwissTiming, das 1983 Teil der Swatch Sichtbarkeit der Schweiz und unterstrichen ihre Bedeutung als neutrale Gastgeberin in der Nachkriegszeit. Sportzeitmessung unter Wettbewerbsdruck Die 1960er-Jahre waren von wachsenden Rivalitäten geprägt. Die Vormachtstellung der Schweizer Unternehmen im Bereich der Zeitmessung bei grossen Sportwettkämpfen wurde durch die Ernennung des japanischen Herstellers Seiko zum offiziellen Zeitnehmer der Olympischen Spiele 1964 in Tokio erschüttert. Die Schweizer Uhrenhersteller mobilisierten daraufhin ihre diplomatischen Kanäle, um ihre Führungsrolle im Bereich der Sportzeitmessung zu verteidigen. Die Schweizer Vertretungen im Ausland erhielten den Auftrag, das Know-how unseres Landes bei den Organisatoren grosser internationaler Wettkämpfe zu bewerben, etwa bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko. Zur japani28 Schweizer Revue / Februar 2026 / Nr.1

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