Schweizer Revue 1/2026

SUSANNE WENGER Das Wissenschaftsmagazin im Radio? Eingestellt. Das Gesellschaftsmagazin im Fernsehen? Abgesetzt. Als das Deutschschweizer Fernsehen und Radio im letzten Jahr aus Spargründen Sendungen strich, regte sich Widerstand. Forschende reichten eine Petition ein, Kulturschaffende zeigten sich besorgt. Der grösste Ärger entlud sich jedoch, als die SRG Ende 2024 frühzeitig aufhörte, über Ultrakurzwelle (UKW) zu senden, und ganz auf digital umstellte. Eine halbe Million Höredienste, schuf die SRG zur Primetime gemeinsame Erlebnisse. Dialekthörspiele und Nachrichtensendungen am Radio wie das seit 1945 ausgestrahlte «Echo der Zeit» leerten die Strassen. Samstagsabendshows und Schweizer Serien versammelten Familien vor dem Fernseher. Heute ist die Mediennutzung fragmentiert und individuell. «Sie verschiebt sich Richtung online, mobil und nichtlinear», sagt Ulla Autenrieth, Medienwissenschaftlerin an der Fachhochschule Graubünden. Initiative will Abgabe senken Trotzdem bleibt die SRG eine Institution, die Emotionen weckt. 2018 scheiterte an der Urne mit über 70 Prozent Nein-Stimmen eine Volksinitiative, welche die obligatorische Medienabgabe abschaffen wollte, mit der die Schweiz einen medialen Service public finanziert. Nun nehmen die rechtskonservative Schweizerische Volkspartei (SVP), Teile der Freisinnigen (FDP) und der Gewerbeverband einen neuen Anlauf, um die SRG zurückzubinden. Ihre Initiative «200 Franken sind genug» will die Abgabe von derzeit 335 auf 200 Franken pro Haushalt senken. Unternehmen, die heute ab einer bestimmten Grösse zahlen, sollen ganz befreit werden. Medienwandel und Sparzwang: Der Schweizer Rundfunk steht unter Druck Veränderte Mediennutzung, Sparrunden, Stellenabbau: Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), das öffentlich finanzierte Medienhaus der Schweiz, steht vor grossen Herausforderungen. Am kommenden 8. März 2026 entscheidet das Stimmvolk über eine Initiative, die das SRG-Budget halbieren könnte. Welche Folgen hätte das für das viersprachige Land und die Fünfte Schweiz? rinnen und Hörer wandten sich ab, wechselten zu Privatradios und ausländischen Sendern. Später beschloss das Parlament in einer Kehrtwende, UKW länger zu erlauben als geplant – worauf die SRG ihre Rückkehr zur analogen Radiowelle bekanntgab. Mit ihren 17 Radio- und 7 Fernsehprogrammen erreicht die SRG immer noch täglich ein mehrfaches Millionenpublikum. Doch 95 Jahre nach ihrer Gründung ist sie nicht mehr so wie einst das «Lagerfeuer der Nation». Früher, ohne Internet und StreamingWie viel Sport kann und soll die SRG künftig noch live zeigen? Auch darüber wird vor der Abstimmung heftig diskutiert. Im Bild: Skiweltcuprennen in Wengen 2025. Foto Keystone Schweizer Revue / Februar 2026 / Nr.1 4 Schwerpunkt

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