wirtschaft, Kultur, Gesellschaft und den ohnehin schon bedrängten Medienplatz Schweiz haben, argumentiert der Bundesrat. Dennoch kürzt er die Abgabe ab 2027 eigenmächtig: Haushalte zahlen künftig 300 Franken, 80 Prozent der Unternehmen nichts mehr. Medienminister Albert Rösti (SVP), einst Mitinitiant, sieht darin einen Mittelweg. Die Initiative gehe zu weit, der Einschnitt wäre «drastisch». Doch er habe «ein Gegenprojekt durchgebracht, das von der SRG wesentliche Einsparungen erfordert», sagte Rösti dem «Tages-Anzeiger». Die SRG müsse sich verändern, ohne private Anbieter zu verdrängen. Umbau unter neuer Leitung Seit November 2024 leitet Susanne Wille die SRG. Kurz nach Amtsantritt kündigte sie den grössten Umbau in der Geschichte des Unternehmens an. Eine Berner Familie sitzt 1957 gemeinsam vor dem TV-Apparat. Heute verteilt sich der Medienkonsum auf viele unterschiedliche Plattformen, Inhalte und Zeitpunkte. Foto Keystone «Enavant» nennt sie ihn, rätoromanisch für «vorwärts». Inzwischen sind mehr Details bekannt. Bis 2029 sollen 270 Millionen Franken eingespart werden. 900 von 5500 Stellen fallen weg, Verwaltungsstrukturen werden zentralisiert. Neben der gekürzten Abgabe belasten sinkende Werbeeinnahmen die SRG. Wie private Medienkonzerne spürt sie den Abfluss von Werbegeldern zu US-Techgiganten wie Google. Wie sich das Sparpaket auf das Programm auswirkt, blieb unklar. Für Wille, eine ehemalige TV-Kaderfrau, ist es ein Balanceakt: Sie muss sparen, ohne jene zu verprellen, die den öffentlichen Rundfunk unterstützen und Inhalte jenseits des Quotendrucks wünschen. Sie will die SRG digitalisieren, darf online aber private Medienhäuser nicht zu stark konkurrenzieren. Immerhin einigten sich SRG und Verlegerverbände letztes Jahr: Die SRG will ihre Die SRG, deren Betriebsertrag 2024 bei 1,56 Milliarden Franken lag, finanziert 80 Prozent ihres Budgets aus der Abgabe. Bei Annahme der Initiative rechnet sie mit einem Ertragsausfall von 800 Millionen, auch weil ein reduziertes Programm weniger Werbeeinnahmen brächte. Die Einnahmen würden sich halbieren. Die Gegnerinnen und Gegner der Initiative sprechen von einer «Halbierungsinitiative», während die Initiantinnen und Initianten die Berechnungen der SRG für zu pessimistisch halten. Private Lokalradios und -fernsehen, die ebenfalls Geld aus der Abgabe erhalten, verschont die Initiative. Bundesrat kürzt selbst Landesregierung, Parlament und Kantone lehnen die Initiative ab. Sie würde das Angebot spürbar reduzieren und negative Folgen für VolksSchweizer Revue / Februar 2026 / Nr.1 5
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