SUSANNE WENGER Tatort Binningen (BL): Am 13. Februar 2024 um die Mittagszeit schlägt ein 41-jähriger Mann seine 38-jährige Ehefrau ins Gesicht, würgt sie bewusstlos und stranguliert sie im gemeinsamen Eigenheim im Villenviertel. Das Paar mit zwei Kleinkindern stand vor der Trennung. Der Ehemann verstümmelt die Leiche, um sie verschwinden zu lassen. Tatort Corcelles (NE): In der Nacht auf den 20. August 2025 sterben eine 47-jährige Frau und ihre zwei Töchter durch Messerstiche in ihrer Wohnung. Schnell gerät der 52-jährige Ex-Mann ins Visier der Ermittlungen. Tatort Grabs (SG): Am 26. April 2026 stirbt eine 71-jährige Frau in ihrem Einfamilienhaus. Die Polizei nimmt den 67-jährigen Ehemann fest. Drei Orte, drei Jahre, drei Bluttaten. Sie zeigen, wie gefährlich das eigene Zuhause für Frauen jeden Alters in der sonst so friedlichen Schweiz sein kann. Gewalt durch Partner und Ex-Partner rückt allmählich ins Bewusstsein von Gesellschaft und Politik – doch solche Taten sind schon seit Langem viel mehr als Einzelfälle. Durchschnittlich alle zwei bis drei Wochen stirbt in der Schweiz eine Frau durch häusliche Gewalt. 2025 erreichte die Zahl mit 25 getöteten Frauen und Mädchen einen Höchststand, seit der Bund 2009 begann, diese Tötungen separat auszuweisen. Insgesamt zählte die Schweiz letztes Jahr 55 Tötungsdelikte. Regierung alarmiert Auch Männer werden Opfer häuslicher Gewalt. Doch bei Tötungen zeigt sich ein klares Muster: Über 90 Prozent der Opfer sind Frauen, die Täter meist Männer. Die Rekordzahl von 2025 alarmierte die Regierung. «So kann es nicht weitergehen», erklärte Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider. Justizminister Beat Jans sprach von einem Sicherheitsproblem: Kein anderes Verbrechen fordert in der Schweiz so viele Todesopfer wie die Gewalt gegen Frauen. Bereits Mitte 2025, als sich die Häufung abzeichnete, beschloss ein Ausschuss aus Bund, Kantonen und Femizide in der Schweiz: Gewalt hinter verschlossenen Türen Häusliche Tötungsdelikte an Frauen erreichten im Jahr 2025 einen neuen Höchststand. Bund und Kantone haben Massnahmen ergriffen, um die Gewalt einzudämmen und die Opfer besser zu schützen. Doch reicht das, was die Schweiz tut? Gemeinden dringliche Massnahmen. Unter anderem sollten Regionen bei der Bereitstellung von Schutzplätzen in Frauenhäusern zusammenarbeiten. Nora Markwalder, Strafrechtsprofessorin an der Universität St. Gallen, sieht bislang keinen anhaltenden Anstieg bei den Tötungen von Frauen. Doch auch die «stabile Tendenz» sei besorgniserregend. Während Tötungsdelikte unter Männern – etwa im Ausgang, im Milieu oder bei Streitigkeiten – in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz stark zurückgingen, blieben die Partnerschaftstötungen von Frauen durch Männer konstant. «Das wirft Fragen auf», sagt die Kriminologin. Das Opfer nicht vergessen: Während dem Prozess gegen einen Ehemann im Mai 2026 nahe Basel bilden Menschen vor dem Gerichtsgebäude eine Kette und erinnern an die getötete Frau. Foto Keystone Gewalt durch Partner und Ex-Partner rückt ins Bewusstsein von Gesellschaft und Politik – doch solche Taten sind seit Langem mehr als Einzelfälle. Schweizer Revue / Juli 2026 / Nr. 3 14 Gesellschaft
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