Schweizer Revue 3/2026

Neuinterpretation der Swissness Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) hat die Praxis zur Verwendung des Schweizerkreuzes gelockert. Damit reagiert das IGE auf globale Marken wie den Schuhhersteller On. Bislang mussten mindestens 60 % der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen, damit das Schweizerkreuz auf Produkten angebracht werden durfte. Neu gilt: Wenn Produkte in der Schweiz entworfen oder entwickelt werden, darf das Schweizerkreuz unter gewissen Bedingungen ebenso verwendet werden. (WS) OECD kritisiert hohe Kita-Kosten Die Schweiz hat laut einem Bericht der OECD Nachholbedarf bei der Gleichstellung der Geschlechter. Der Einkommensunterschied zwischen Mann und Frau gehört im internationalen Vergleich zu den höchsten. Hauptgründe sind der hohe Anteil von Frauen in Teilzeitarbeit und die Kosten der Kinderbetreuung. Das Parlament hat im Dezember ein Kita-Gesetz verabschiedet, das höhere Zuschüsse ermöglichen soll. (WS) Abgewiesene Beschwerde gegen E-ID Letzten September stimmten 50,4 Prozent des Stimmvolks Ja zur Einführung der E-ID. Das Bundesgericht wies Beschwerden gegen die Abstimmung zurück. Auslöser war unter anderem eine Spende der Swisscom an das Pro-Komitee – ein Verstoss gegen die politische Neutralität staatlich kontrollierter Unternehmen. Das Bundesgericht erklärte die Beschwerden für unzulässig, weil sie verspätet eingereicht wurden. Das Abstimmungsergebnis bleibt gültig. Die Einführung der E-ID ist für Dezember vorgesehen. (WS) Bundesrat verschärft Too-big-to-fail-Regulierung Der Bundesrat will systemrelevante Banken wie die UBS zu höheren Eigenkapitalreserven verpflichten. Künftig sollen Beteiligungen an ausländischen Tochtergesellschaften vollständig mit direkt verfügbarem Eigenkapital abgesichert werden. Hintergrund ist der Zusammenbruch der Credit Suisse 2023. Die neuen Regeln sollen das Risiko staatlicher Rettungsaktionen senken und die Stabilität des Finanzplatzes stärken. Das Parlament berät die Vorlage voraussichtlich im Herbst. (WS) Bundesrat verzichtet auf höheres Rentenalter Der Bundesrat hat die Reform AHV 2030 in die Vernehmlassung geschickt. Statt das Rentenalter zu erhöhen, setzt er auf Anreize für längeres Arbeiten. Geplant sind höhere Freibeträge für Erwerbstätige nach 65 und ein flexiblerer Rentenbezug. Zudem sollen Frühpensionierungen erschwert werden. Die Reform soll der AHV bis 2040 jährlich rund 600 Millionen Franken zusätzlich einbringen. Offen bleibt die Finanzierung der 13. AHV-Rente, die im Dezember zum ersten Mal ausbezahlt werden soll. (WS) Erinaceus europaeus Seit fast 30 Jahren ernennt Pro Natura das Schweizer Tier des Jahres. 2026 fiel die Wahl auf den Braunbrustigel, Erinaceus europaeus. Eine überraschende Entscheidung der ältesten Naturschutzorganisation der Schweiz, denn kein Wildtier braucht hierzulande weniger Aufmerksamkeit als der Igel. Sein niedliches Aussehen und die Fähigkeit, sich stachlig einzurollen, entzücken die Nation. Wenn er in Sommernächten schnüffelnd und schmatzend durch die Gärten tippelt, löst dies Freude aus. Freiwillige pflegen verletzte Tiere in Stationen, und am Strassenrand mahnen Plakate zur Vorsicht, damit Igel sicher die Fahrbahn überqueren. Wozu also die Auszeichnung? Um zu zeigen, dass Sympathie allein nicht genügt. Der Igelbestand in der Schweiz schrumpft, seit vier Jahren gilt das Tier als «potenziell gefährdet». Der Grund: Igel leben heute vor allem in Städten und Dörfern, wo dichter werdende Siedlungen ihre Lebensräume zerstören. Pro Natura ruft dazu auf, dem Igel das Leben in unserer Nähe zu erleichtern. Die nachtaktiven Tiere brauchen Unterschlüpfe als Tagesverstecke und für ihre Nester. Sie brauchen Durchgänge in Zäunen und Mauern für ihre Streifzüge. Und sie brauchen naturbelassene Flächen mit Pflanzen, die Insekten anlocken – Käfer, Tausendfüssler und Raupen stehen ganz oben auf ihrem Speiseplan. Zudem gilt es tödliche Gefahren zu beseitigen: Pools sollten abgedeckt, Mähroboter vermieden werden. Gegen deren Klingen schützen den Igel auch seine bis zu 8000 Stacheln nicht. Fachleute raten der ordnungsliebenden Schweizer Bevölkerung: Statt sauber gemähtem Rasen und aufgeräumten Gärten bevorzugt der Igel Unordnung mit Laubhaufen und Totholz. Im November zieht er sich wieder in den Winterschlaf zurück – vorausgesetzt, er findet ein passendes Plätzchen. SUSANNE WENGER Nachrichten Foto Pro Natura Schweizer Revue / Juli 2026 / Nr. 3 18 Herausgepickt

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