Schweizer Revue 3/2026

EVELINE RUTZ Es hätten Minen aus dem Zweiten Weltkrieg sein können. Im November 2024 erkundeten zwei Taucher eine Stelle im Neuenburger See, an der zahlreiche runde Objekte lagen. Erst als sie ihre Lampen einschalteten, wurde ihnen bewusst, dass sie nicht Kriegsmaterial vor sich hatten. «Die charakteristische Farbe von Terrakotta kam zum Vorschein», erinnert sich Julien Pfyffer, Gründer und Präsident der Fondation Octopus. Zusammen mit einem Archäologen des Kantons Neuenburg erkannte er, dass sie Teller betrachteten. Zwischen Algen, Muscheln, Sand und Steinen entdeckten sie weitere Gefässe aus Keramik. Sie blickten auf unzählige Becher, Schalen und Schüsseln – und realisierten, dass dies ein aussergewöhnlicher Fund war. «Wir blieben mehrere Minuten wie angewurzelt über dieser Schiffsladung», sagt Pfyffer. Seither sind zweieinhalb Jahre vergangen. Das Kantonale Amt für Archäologie (OARC) hat 2025 und 2026 Ausgrabungen durchgeführt. Es ist dabei vom Archäologischen Dienst des Kantons Freiburg (SAEF) und der Fondation Octopus unterstützt worden. Ein gemeinsames Team hat in Ufernähe gegen 1000 Gegenstände identifiziert, dokumentiert und aus Fracht eines römischen Schiffs geborgen Archäolog:innen haben im Neuenburger See Keramik, Werkzeuge und Waffen aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. entdeckt. Sie erhoffen sich neue Erkenntnisse über Transport, Handel und technisches Know-how im Römischen Reich. dem Wasser gehoben. Es hat sie kistenweise ins Laténium, einen Park und ein Archäologisches Museum in Hauterive, gebracht und dort in speziellen Depots eingelagert. Aus Angst vor Plünderungen und Beschädigungen arbeiteten die Verantwortlichen unter strenger Geheimhaltung. Erst kürzlich informierten sie die Öffentlichkeit. «Der Fund ist von unschätzbarem Wert», betont Sonia Wüthrich, die das OARC leitet. Der Reichtum, die Vielfalt und der ungewöhnlich gute Zustand der Waren seien in der Schweiz einzigartig. Eine wichtige Verkehrs- und Handelsroute Die Fundstücke dürften von einem Frachtschiff stammen, das in der Zeit «Wir blieben mehrere Minuten wie angewurzelt über dieser Schiffsladung.» Julien Pfyffer, Präsident Fondation Octopus Runde Kreise am Boden des Neuenburger Sees: Eine Drohnenaufnahme führte zum spektakulären Fund. Foto Octopus Fondation Schweizer Revue / Juli 2026 / Nr. 3 20 Geschichte

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