Schweizer Revue 4/2026

STÉPHANE HERZOG Wir begleiten die Biologin Cécile Auberson bei ihrer Arbeit in einem Biberrevier bei Zumholz (FR) im Sensegebiet. «Die Sense ist einer der wenigen Flüsse in der Schweiz, die in ihrem natürlichen Zustand belassen wurden», erklärt uns die wissenschaftliche Mitarbeiterin der nationalen Biberfachstelle der Stiftung info fauna. In diesem Gebiet verändert der Fluss je nach Strömung immer wieder seinen Lauf, was sogenannte Flussverflechtungen entstehen lässt. Über Holzstege wandern wir entlang eines kleinen Nebenflusses der Sense, dem Dütschbach. In diesem Waldgebiet, das auch bei grosser Hitze angenehm kühl bleibt, gelangen wir an den Rand einer grossen Wasserfläche. Genialer als die Ingenieure Die Fläche ist durch den für Biber typischen Bau von Dämmen entstanden. Damit schaffen sich die Tiere ihr eigenes Revier. «Sie nutzen ihre kleinen Vorderpfoten, um Schlamm am Fuss dieser Dämme anzuhäufen», erklärt Cécile Auberson. Nicht weit von unserem Standort entfernt befindet sich ein Bau, in dem eine Biberfamilie haust. Erst bei Sonnenuntergang werden die Tiere ihn verlassen. Doch weshalb schaffen sie diese Wasserflächen? Um ihre Behausungen zu erreichen, müssen Biber tauchen. So sind sie vor ihren Feinden geschützt, zu denen in dieser Region der Luchs, anderswo aber der Wolf oder der Fuchs gehören. Wie ein Biberbau aussehen Biber beleben vom Menschen zerstörte Feuchtgebiete neu Einst wegen ihres Fells und Fleisches gejagt und schliesslich ausgerottet, wurden Biber ab Ende der 1950er-Jahre in der Schweiz wieder angesiedelt. Mit ihren Dämmen schaffen sie Wasserflächen, die CO ² binden, Schadstoffe absorbieren und die Artenvielfalt fördern. Eine Reportage aus dem Sensegebiet im Kanton Freiburg. wird, lässt sich nur schwer vorhersehen. Doch die Aktivität des kleinen Säugetieres kann zur Überflutung von Strassen und Feldern führen. Biber können 15 Minuten unter Wasser bleiben und benötigen als Lebensraum Gewässer mit einer Tiefe von mindestens 60 Zentimetern. Im Wasser lassen sich die mitunter riesigen Holzstämme, die sie zum Bau ihrer Behausungen benötigen, leichter transportieren. «Biber vermögen Feuchtgebiete besser zu gestalten als jeder Ingenieur», erfahren wir von Marie Bessat, der Leiterin des Programms «Natur im ländlichen Raum» beim Kantonalen Amt für Landwirtschaft und Natur in Genf. Die Wahrnehmung dieser Tiere hat sich seit ihrem vollständigen Verschwinden aus der Schweiz Anfang des 19. Jahrhunderts und den ersten Wiederansiedlungen Ende der 1950er-Jahre radikal gewandelt. Gejagt wurde der Biber einst wegen seines Fells (zur Herstellung von Hüten), seines Fleisches und des Castoreums – einem öligen Sekret, das als Heilmittel verwendet wurde. Zudem musste er den Preis für die weitreichende Nutzung von Seen und Flüssen durch den Menschen zahlen. Die meisten Flüsse, Mündungen und Sümpfe des Landes wurden trockengelegt oder begradigt, um Platz für Ackerland und Siedlungen zu schaffen. Vor diesen Eingriffen waren die Flussläufe reich mit Treibholz durchzogen: schwimmende Dämme aus Holz, die vor allem die Biber angelegt hatten. Das berichtet auch der amerikanische Journalist Ben Goldfarb in einem 2018 erschienenen Buch, das die erfolgreiche Wiederansiedlung der Biber feiert. Der Skagit River im Bundesstaat Washington «glich weniger einem Fluss als vielmehr einem riesiDer Biber wurde wegen seines Fells gejagt und ausgerottet. Seine Wiederansiedlung begünstigt die Entstehung von Feuchtgebieten. Foto info fauna Schweizer Revue / Oktober 2026 / Nr. 4 24 Natur und Umwelt

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