675000 676000 677000 67800 202000 203000 204000 205000 Prozesse Unterwasserrutschungen / Ufer- und Deltaabbrüche Gefahrenpotential Flutwellen schwache Intensität mittlere Intensität starke Intensität Notfallplanung Erdbeben - Grundlagen Flutwellen renpotential Flutwellen arte EHQ - Teil Ost 10'000 tung herung, Riedenmatt 1, 6371 Stans ölkerungsschutz, Wilstrasse 1, 6371 Stans-Oberdorf gie, Stansstaderstrasse 59, 6371 Stans trasse 1, 6371 Stans r AG, Lerchenweg 2, 4303 Kaiseraugst Quartärgeologie und Paläoklimatologie Institut für Geologie Universität Bern Baltzerstrasse 1+3 3012 Bern lt Visum Plan-Nr. Format und Muster sichtbar, die bis vor Kurzem noch im Dunkeln lagen. Im Zürichsee gibt es Stellen, wo Hänge bereits abgerutscht sind. Im Bodensee wurden Objekte entdeckt, die von Menschen aus der Steinzeit stammen. Flavio Anselmetti ist bei dieser Arbeit an vorderster Front tätig. Heute lassen sich «geladene» Hänge in den Seen lokalisieren. Diese Analysen seien im Gang, sagt er. Die Ergebnisse werden in die Gefahrenkarten einfliessen. Die Frage bleibt, wie Menschen vor Tsunamis gewarnt werden können. Ausgeklügelte Systeme mit Bojen und Sirenen seien angesichts der Seltenheit solcher Ereignisse und der kurzen Vorwarnzeiten schwierig umzusetzen, sagt der Geologe. Aber allein das Wissen um die Gefahr eines Tsunamis könne in einem solchen Fall schon entscheidend sein. Das gelte überall auf der Welt. Befinde man sich bei einem Erdbeben im flachen Uferbereich eines Gewässers, sei es ratsam, sich von dort zu entfernen, rät er. «Dann ist mit einem Tsunami zu rechnen.» hatten sie zuvor Wasser nach unten gerissen. Ein See in Aufruhr. Der springende Punkt: Wird auf einer bestimmten Fläche am Grund eines Gewässers sämtliches Wasser angehoben – die ganze Säule –, ist sehr viel Energie im Spiel. Es entsteht eine Tsunami-Welle, die sich unspektakulär fortpflanzt, aber ihre Wucht kaum verliert. Falle hingegen ein Felsbrocken in einen See, entstünden andere Flutwellen, sagt Anselmetti. Diese seien am Anfang unter Umständen noch höher als eine Tsunamiwelle, schwächten sich aber rasch ab. Der Energieumsatz sei vergleichsweise gering, weil sich das Ereignis primär an der Seeoberfläche abspiele und nicht grosse Wassermassen angehoben werden. Mehrere Risikofaktoren Doch wie sehen die Tsunami-Risiken bei den Seen in der Schweiz aus? Flavio Anselmetti sagt, zwei Faktoren erhöhten das Risiko: «Geeignete», also mit Schlamm beladene Hänge unter Wasser, und zweitens flache Uferbereiche. Je flacher diese seien, desto weiter könne eine Welle vordringen. Bei Buochs komme beides zusammen. Allerdings, sagt er, seien die meisten Abhänge im Vierwaldstättersee beim Beben 1601 «entladen» worden. Bis dort wieder eine kritische Menge an Sedimenten abgelagert sei, dauere es noch Jahrhunderte. «Geeignet» sei ein unterseeischer Hang, wenn er eine Neigung von etwa 10 bis 25 Grad aufweise. Sei er steiler, sagt Anselmetti, bleibe kaum Sediment liegen. Sei er flacher, könne das Material nicht im grossen Stil abrutschen. Im Genfer-, Thuner- und Zugersee wären es am ehesten unterseeische Hangrutsche, die nach einem Erdbeben einen Tsunami auslösen könnten. Oeschinen-, Walen-, Lungern- und Brienzersee mit ihren hohen Bergen rundum seien dagegen Beispiele für Seen, wo Flutwellen durch Felsstürze zu erwarten seien. In der Schweiz sind einige Kantone daran, auf ihren Gefahrenkarten auch das Tsunami-Risiko abzubilden. Der Kanton Nidwalden, der damals am stärksten betroffen war, hat als erster eine solche vorgelegt. Dabei geht es nicht zuletzt um Versicherungsfragen. Flutwellen wie jene von 1601 würden auch heute grosse Schäden verursachen. Erdbeben? Weg vom Ufer! Mithilfe moderner Echolotsysteme, die fächerartig funktionieren, ist es heute möglich, den Untergrund von Seen auf den Zentimeter genau zu kartieren. Dabei werden Strukturen Vierwaldstättersee in Aufruhr: Diese Visualisierung zeigt, wie weit die Flut beim Tsunami von 1601 in die Ufergebiete von Ennetbürgen (links) und Buochs vorgedrungen ist. Visualisierung ZVG/ Flavio Anselmetti Die Gefahrenkarte des Kantons Nidwalden zeigt, welche Ufergebiete bei einem Tsunami heute überflutet würden. Karte ZVG/ Kanton Nidwalden Schweizer Revue / Oktober 2026 / Nr. 4 23
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