INTERVIEW: EVELINE RUTZ 2024 ist Ihr erster Vorstoss gescheitert. Warum nehmen Sie einen neuen Anlauf? Elisabeth Schneider-Schneiter: Als Mitglied des Auslandschweizerrates (ASR) und als Aussenpolitikerin, die weltweit unterwegs ist, stelle ich fest, dass das Problem nicht verschwunden ist. Im Gegenteil: Immer mehr Schweizer:innen verbringen ihren Lebensabend ausserhalb des EU- und EFTA-Raums. Sie verlieren ihre obligatorische Krankenversicherung und finden keine gleichwertige Anschlusslösung. Dieser Realität trägt unser Krankenversicherungsgesetz aus den 1990er-Jahren nicht Rechnung. Daher bringe ich die Frage einer freiwilligen Weiterversicherung erneut ein. Vor zwei Jahren fehlten Ihnen nur sechs Stimmen zum Erfolg. Das stimmt. 2024 haben wir nicht ausreichend lobbyiert. Was mir wichtig ist: Ich verlange vom Bundesrat keine fertigen Lösungen. Ich möchte ihn lediglich dazu verpflichten, sich vertieft mit der Situation auseinanderzusetzen. Darauf haben die Betroffenen Anrecht. Welche neuen Argumente bringen Sie vor, um Ihre Ratskolleg:innen zu überzeugen? Es geht nicht um wenige Einzelfälle, sondern um eine strukturelle Versorgungslücke. Dessen sind sich leider viele nicht bewusst. Ich möchte daneben die volkswirtschaftlichen Argumente stärker betonen. Wer im Ausland lebt, bezieht in der Regel keine Ergänzungsleistungen und bean- «Es geht um eine strukturelle Versorgungslücke» Schweizer:innen, die ausserhalb der EU/EFTA in Drittstaaten leben, sind oft nicht ausreichend krankenversichert. Mitte-Politikerin und ASR-Mitglied Elisabeth Schneider-Schneiter möchte, dass der Bund dafür eine Lösung sucht. Die Schweiz habe ein Interesse daran, dass Ausgewanderte vermehrt vor Ort behandelt werden. sprucht keine teure Pflegeinfrastruktur. Das entlastet unser Sozialsystem. Könnten sich Auslandschweizer:innen in Drittstaaten angemessen versichern lassen, würden sie sich auch dann vor Ort behandeln lassen, wenn sie aufwendige Therapien benötigen. Hat das Thema an Dringlichkeit gewonnen? Ja. Die internationale Mobilität ist gestiegen. Unter den Auswandernden sind zunehmend Pensionierte, die Mühe haben, in der Schweiz von ihrer AHV-Rente zu leben. Sie ziehen an Orte, an denen die Lebenshaltungskosten tiefer sind und sie günstiger gepflegt werden können. Sie haben unser System oft jahrzehntelang mitgetragen. Auch die Gruppe jener, die aus beruflichen Gründen für einige Jahre ins Ausland ziehen, wird grösser. Wie könnte ein geeignetes Modell aussehen? Das gilt es nun, herauszufinden. Man muss verschiedene Modelle analysieren und dann klare Bedingungen definieren. Wer darf eintreten? Welche Prämien sind zu bezahlen? Welche Leistungen sind enthalten? Und: Wie sieht die Kostenbeteiligung aus? Ziel ist es, eine faire Lösung zu finden, die auch für die Krankenkassen tragbar ist. Die Idee ist nicht, einfach das Schweizer Modell zu exportieren. Das heisst, es braucht eine staatlich-private Kooperation? Genau. Ich stehe mit den Krankenkassen in Kontakt. Sie sind ebenfalls der Meinung, dass eine gesetzliche Grundlage notwendig ist. Wie viel könnte die Schweiz sparen, wenn sich der «Medizintourismus» reduziert? Mir sind keine offiziellen Zahlen bekannt. Ich höre aber von Ärzt:innen, dass zahlNationalrätin Elisabeth Schneider- Schneiter (Mitte/BL) nimmt im Parlament einen neuen Anlauf für eine freiwillige Weiterversicherung von Auslandschweizer:innen, die in Drittstaaten leben. Foto Keystone Schweizer Revue / Oktober 2026 / Nr. 4 28 Politik
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