Schweizer Revue 1/2022

Schweizer Revue / Februar 2022 / Nr.1 Gesehen 21 RAINER SIGL Wer die Alpen nur als Schönwettertourist kennt, ahnt wenig von ihrer dunklen Seite. Die Bergbewohner dagegen wissen, dass das Gebirge im Herzen Europas auch ein Ort des Schreckens sein kann. Davon künden zahllose Sagen undMärchen, in denen die Wildnis oberhalb der Baumgrenzen oft genug ihr finsteres Gesicht zeigt. Genau diese Düsternis hat es dem Luzerner Künstler und SpieleentwicklerMichel Ziegler angetan. Der 39-Jährige hat sich für sechseinhalb Jahre einem Spiel verschrieben, das im Frühjahr 2021 erschienen ist – und im November im Rahmen der Swiss Game Awards als «bestes Schweizer Spiel des Jahres» ausgezeichnet wurde: «Mundaun». «Mundaun» ist ein Horror-Adventure aus der Ich-Perspektive, in dem man an einem entlegenen Ort in den Hochalpen einem Geheimnis auf die Spur kommt. Der mysteriöse Tod des Grossvaters bei einem Brand führt den Protagonisten zurück an den Ort seiner Kindheit, der hoch über dem wolkenverhangenen Tal auf demHang eines Zwillingsgipfels liegt. Der Berghof des Grossvaters zwischen frisch Schweizer Horror, handgemacht Eine per Bleistift handgezeichnete Grafik, ein Schauplatz hoch in den Alpen, Horror zwischen Folklore und Surrealismus: Das Computerspiel des Schweizer Spieleentwicklers Michel Ziegler ist ein beeindruckendes Kunstwerk. gemähten Alpwiesen ist der Ausgangspunkt für ein Abenteuer, das vomrustikalen Idyll schnell in die surreal-unheimliche alpine Sagenwelt abdriftet. Eine Welt in Sepia Die Atmosphäre von «Mundaun» ist einzigartig, denn das Spiel ist komplett von Hand gezeichnet: Jede Textur, jeden Teil der Szenerie und jede Figur hat Ziegler aus seinen Bleistiftzeichnungen in die dreidimensionale Spielwelt übertragen. Das gibt dem Spiel einen besonderen, an alte Fotografien und Schwarz-Weiss-Filme erinnernden Stil im Sepia-Ton. Inspirieren lassen habe er sich von Fotobüchern und -archiven aus den Bergregionen Graubündens, von Sagen und der Rauheit der Natur, sagt Ziegler, ebenso von alten Ställen und den Häusern in Platenga, jener winzigen Siedlung in der Surselva, in denen er die Ferien seiner Kindheit verbrachte. Viele Orte, etwa die kleine Kapelle im Spiel, seien direkt der Realität entlehnt. Auch sprachlich ist das Spiel in der Realität verankert: «Mundaun» ist vollständig in Rätoromanisch vertont. Diese Sprache, die in «GAMES» Eine Ausstellung im «Forum Schweizer Geschichte», Schwyz Fortnite, Mario Bros. und Minecraft dürften fast allen ein Begriff sein. Kein Wunder: 2,5 Milliarden Menschen spielen weltweit Videogames. Die Ausstellung «Games» nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise durch die rund 50-jährige Geschichte der elektronischen Spiele. Die Ausstellung folgt ihrer historischen und technischen Entwicklung, thematisiert aber ebenso Aspekte, die als bedenklich wahrgenommen werden. Und: Spielstationen laden dazu ein, die Games selbst auszuprobieren. Täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, montags geschlossen. www.forumschwyz.ch/games

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