Chavannes-près-Renens ist die Schweizer Gemeinde mit dem niedrigsten Durchschnittsalter, nämlich 34,4 Jahre. Auch das weitere Umfeld ist jung. Im Bezirk West-Lausanne liegt der Durchschnitt bei 38,5 Jahren, im Kanton Waadt bei 40,6 Jahren. eine echte Herausforderung für eine so kleine Gemeinde mit ihrer recht tiefen Zahl an Steuerzahlenden: In Chavannes leben viele Studierende, aber kaum wohlhabende Steuerzahlende. Allerdings schwächt der gemeindeübergreifende Finanzausgleich das finanzielle Ungleichgewicht etwas diesem Werk über Chavannes zitiert auch der heutige Stadtrat Eduardo Camacho-Hübner gerne. Der französisch-bolivianische Ingenieur kam 1993 als Student an die EPFL und liess sich dann in der Region nieder. Von seiner früheren Wohnung aus blickte er auf ein wichtiges Gebäude aus der industriellen Vergangenheit der Gemeinde: die 1925 eröffnete Perrier-Fabrik, die lange für die «Têtes de nègre Perrier» (Mohrenköpfe) genannten Süssigkeiten bekannt war – eine Bezeichnung, die inzwischen tabu ist. Im Gegensatz zu anderen Industriegebieten im Westen von Lausanne, die dem Gewerbe oder Wohnimmobilien weichen mussten, wurde die Perrier-Fabrik in ein Handwerks- und Kulturzentrum umgewandelt. Eine wachsende internationale Bevölkerung In Chavannes wird wie wild gebaut. Ein besonders gewagtes Projekt ist das 36-stöckige, begrünte Hochhaus im Stadtteil Les Cèdres. Dereinst sollen hier 1700 Menschen Wohnraum finden. Andernorts in der Gemeinde ist zudem ein Gesundheitscampus geplant, der 4000 Studierende beherbergen soll. Die möglichen Erklärungen für die Beliebtheit von Chavannes als Wohnort: Die Gemeinde ist sehr gut angebunden; sie liegt unweit von Lausanne und nahe am Genfersee – und bietet trotzdem bezahlbaren Wohnraum. Der Bauboom in Chavannes folgt letztlich den Zielen des Bundesgesetzes über die Raumplanung. Dieses will, dass die urbane Entwicklung vor allem entlang bestehenden Verkehrsachsen erfolgt. «Der vorgegebene hohe Ausnützungskoeffizient setzt uns stark unter Druck», sagt Gemeindepräsidentin Loubna Laabar. Die starke bauliche Entwicklung der Gemeinde ziehe den Ausbau der Infrastruktur nach sich, zum Beispiel bei der Wasserversorgung, dem Verkehrsnetz, den Schulen und öffentlichen Einrichtungen. Laabar sagt, das sei Die Lebensqualität in der von Wachstum geprägten Gemeinde erhalten: Das ist eines der Hauptanliegen von Gemeindepräsidentin Loubna Laabar. Foto Stéphane Herzog Oft zieht es Studierende in die Gemeinde (wie hier, in dieses «Vortex»-Studio). Der bezahlbare Wohnraum zieht aber ganz generell neue Bürgerinnen und Bürger an. Foto Keystone ab. Was die Gemeindepräsidentin der Herausforderungen zum Trotz sagt: Die Gemeinde wolle auf jeden Fall die Lebensqualität vor Ort erhalten. Eine Autobahn – mit Tempo 60 km/h So will die Gemeinde etwa das Tempo auf sechs ihrer Strassen auf 30 km/h beschränken. Bei vier davon wurden diese Pläne bereits umgesetzt. Kürzlich beschloss sie zudem, eine Vereinbarung mit dem Bundesamt für Strassen und dem Kanton Waadt über den Bau einer Autobahnauffahrt in Chavannes aufzulösen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es auf dieser Strecke weniger Verkehr hat als erwartet. Die Gemeinde machte daraufhin den Vorschlag, auf den Autobahnanschluss zu verzichten, die Fahrspuren zu redimensionieren und die Geschwindigkeit auf 60 km/h zu reduzieren. «Der geplante Autobahnanschluss Schweizer Revue / Februar 2026 / Nr.1 10 Reportage
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