STÉPHANE HERZOG In der Schweiz ist das Städtchen Renens als Eisenbahnknotenpunkt weithin bekannt. Doch wer kennt Chavannes-près-Renens? Diese Gemeinde liegt in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs von Renens – und hat die schweizweit jüngste Bevölkerung. Beim Besuch vor Ort fällt als Allererstes die Bahnhofskapelle auf. Dort soll bald auch eine Buchhandlung und ein Literaturcafé entstehen, erklärt Gemeindepräsidentin Loubna Laabar. Unweit davon sieht man die «Citadelle», ein Mehrfamilienhaus aus den 1960er-Jahren. Einer seiner Eingänge und etlicher Wohnungen liegen bereits in der Nachbargemeinde Ecublens, wo auch die Hochschule EPFL situiert ist. Kontinuierliches Wachstum In Chavannes leben Menschen zahlreicher Nationalitäten. Im Jahr 2000 zählte die Gemeinde 6000 Einwohnende und 2025 erlangte sie mit bereits 10 000 Einwohnenden den Status als Stadt. Die Zuwanderinnen und Zuwanderer stammen überwiegend aus Europa. Inzwischen leben hier Menschen aus über 110 Nationen. 56 Prozent der Bevölkerung stammen aus dem Ausland. 40 Prozent sind zwischen 20 und 39 Jahre alt. Für das Wachstum gibt es zwei Gründe: Einer davon ist das Wohnraumangebot für Studierende. Im «Vortex», einem runden Gebäude unweit der EPFL, wohnen mehr als 1000 der rund 2000 dort Studierenden. Der andere Grund ist die erwähnte Zuwanderung. «Zwischen 2015 und 2035 dürften 40 000 Menschen in den Westen von Lausanne ziehen. Das entspräche einem Bevölkerungszuwachs von 50 Prozent, für die Schweiz ein enormer Wert», sagt Benoît Biéler, Direktor von SDOL (Stratégie et développement de l’Ouest lausannois). Und wer nach Chavannes zieht, ist oft im Lebensabschnitt der FamiliengrünDie jüngste Gemeinde der Schweiz ist ein sehr urbaner Vorort von Lausanne Mit einem Durchschnittsalter von 34,4 Jahren ist Chavannes-près-Renens (VD) unweit von Lausanne die Schweizer Gemeinde mit der jüngsten Bevölkerung. Sie zieht Menschen aus aller Welt an. Und das Thema Lebensqualität ist ihr zentrales Anliegen. dung. Entsprechend hoch die Geburtenrate: «Sie haben immer noch den Mut, Kinder zu bekommen», sagt die Gemeindepräsidentin. Eine Stadt ohne Zentrum Ein klar erkennbares Zentrum ist in Chavannes nicht zu finden. Der Ort erstreckt sich über ein Gebiet, das von Verkehrsachsen, einer U-Bahn-Linie und einer Autobahn durchzogen ist. Es gibt aber auch kleine Wälder und ein riesiges Sportgelände, das der Stadt Lausanne gehört. Die Entwicklung von Chavannes ist letztlich das Resultat der wachsenden Bedeutung des Eisenbahnknotens Renens: Die Gemeinde steckte stets in der Kluft zwischen dem Eisenbahn- und Industriegebiet im Norden und den Gemüseanbaugebieten im Süden. «Früher prügelten sich die Hinterwäldler aus dem Süden mit den Halbstarken aus dem Norden», schrieb Christian Vernez, ein Lehrer aus der Gegend. Aus Höher, weiter, schneller, schöner? Auf der Suche nach den etwas anderen Schweizer Rekorden. Heute: die Schweizer Gemeinde mit dem niedrigsten Durchschnittsalter. Das Stundentenwohnheim «Vortex» ist ein Grund für das sehr tiefe Durchschnittsalter in der Gemeinde: Hier leben 1000 Studierende. Foto Keystone Schweizer Revue / Februar 2026 / Nr.1 9 Reportage
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