Online-Textbeiträge beschränken und sich auf audiovisuelle Inhalte konzentrieren. SRG und Private wollen enger zusammenarbeiten, etwa technologisch. Ob alles umgesetzt werden kann, ist jedoch fraglich. Die Wettbewerbskommission meldete Vorbehalte an. Nötig oder gefährlich? Die Abstimmung über die 200-Franken-Initiative erhöht den Druck auf die SRG. Die Befürworter argumentieren, die Gebühren seien die höchsten in Europa. Der Zürcher SVP-Nationalrat Thomas Matter sprach im Parlament von einer «SRG-Zwangssteuer», die besonders die Jungen treffe. Sie nutzten kaum noch Fernsehen und Radio. Für die Unternehmen sei die Abgabe eine «unsinnige Belastung». Die SRG solle sich auf einen «Kernauftrag» beschränken. Wie dieser aussähe, wenn 800 Millionen fehlen, bleibt offen. Der Initiativtext erwähnt nur «Radio- und Fernsehprogramme, die einen unerlässlichen Dienst für die Allgemeinheit erbringen». Heute verlangt der Verfassungsauftrag von der SRG nebst Information auch Kultur-, Bildungs- und Unterhaltungsangebote. Die Gegner der Initiative – ein breites Bündnis aus Politikerinnen und Politikern der Mitte, der FDP, der Grünliberalen, der SP und der Grünen sowie Vertreterinnen und Vertretern der Kultur, des Sports und der Zivilgesellschaft – warnen vor weitreichenden Folgen. In Zeiten zunehmender Desinformation auf ausländischen Plattformen eine unabhängige Nachrichtenquelle zu schwächen, gefährde die Sicherheit der Schweiz. Kultur und Sport verlören eine Plattform. Und vor allem: Mit halbiertem Budget könnte die SRG ihre föderale Struktur und Viersprachigkeit nicht halten, sagte der Bündner Mitte-Nationalrat Martin Candinas Stimmen aus dem Parlament «Lassen Sie uns die personell, finanziell und machtmässig ungesund aufgeblähte SRG endlich auf ein vernünftiges Mass zurückführen.» Thomas Matter, ZH, Nationalrat SVP «Die Initiative würde der SRG 800 Millionen Franken entziehen. Das ist keine Kürzung, das ist ein Kahlschlag. Er würde sich in den ländlichen Regionen zeigen.» Josef Dittli, UR, Ständerat FDP «Schwer zu glauben, dass trotz der technologischen Fortschritte 850 Millionen nicht ausreichen, um einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in einem Land mit 9 Millionen Einwohnern zu produzieren.» Lorenzo Quadri, TI, Nationalrat Lega «Die lokale Berichterstattung bis in die kleinsten Täler der Schweiz rechnet sich wirtschaftlich längst nicht mehr. Viele Redaktionen sind aus dem ländlichen Raum und den Bergregionen verschwunden. Wir brauchen die SRG als regional verankertes, viersprachiges Medienhaus.» Christine Badertscher, BE, Nationalrätin Grüne «Es stimmt, die SRG ist in jenen Sprachregionen wichtig, die nicht so viele Möglichkeiten für private Medien haben. Aber weshalb muss sie dann in der Deutschschweiz ein so üppiges Unterhaltungsangebot finanzieren?» Christian Wasserfallen, BE, Nationalrat FDP «Die Haushalte geben heute weniger als 1 Franken pro Tag aus, um Radio und Fernsehen zu nutzen. Das ist das Minimum für hochwertige Inhalte.» Valérie Piller Carrard, FR, Nationalrätin SP im Parlament. Wegen der Mehrsprachigkeit der Schweiz lasse sich die Medienabgabe nicht international vergleichen, betonen die Gegner. Umverteilung zu Sprachminderheiten Die SRG produziert mit SRF (deutsch), RTS (französisch), RSI (italienisch) und RTR (rätoromanisch) Inhalte für die vier Sprachregionen, und mit Swissinfo (SWI) auch für das Ausland (siehe Zweittext). Ein interner Finanzausgleich sichert die Versorgung der sprachlichen Minderheiten: 2024 flossen von den 930 Millionen Franken, die der Deutschschweizer Unternehmensbereich aus der Medienabgabe einnahm, 235 Millionen ins Tessin, 115 Millionen in die Romandie und 20 Millionen zu den Rätoromanen. Mit halbem Budget müsste die SRG die meisten ihrer Regionalstudios schliessen, schreibt die Medienstelle. Heute betreibt sie 7 Haupt- und 17 Regionalstudios. Die Berichterstattung würde stärker aus den Zentren heraus erfolgen: «Es gäbe deutlich weniger Regionaljournalismus.» Werden die News Bundesrat Paul Chaudet (1955-1966) vor dem Mikrofon eines Journalisten von Schweizer Radio International. Foto Archiv Swissinfo/zvg Schweizer Revue / Februar 2026 / Nr.1 6 Schwerpunkt
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