Auslandsangebot Swissinfo vor ungewisser Zukunft Karin Keller-Sutter. Der Nationalrat, die grosse Kammer, entscheidet in der Session vom 2. bis 20. März 2026. Am 8. März stimmt zudem das Volk über die SRG-Initiative der SVP ab, die die Medienabgabe – die zweite Finanzierungsquelle von Swissinfo – stark kürzen will (siehe Haupttext). Im Initiativkomitee sitzt der Walliser SVP-National Jean-Luc Addor, Mitglied der «Parlamentarischen Gruppe Auslandschweizer:innen». Für ihn gehört das Auslandsmandat zum «Grundauftrag» der SRG. Schon vor einem Jahr sagte er der «Schweizer Revue»: «Hände weg von Swissinfo.» Eine Sprecherin bestätigte auf Anfrage, dass dies die Haltung des Komitees sei: «Das Angebot ist Teil des Service-public-Auftrags der SRG. Das soll so bleiben.» Die Gegner warnen aber, mit der Initiative bliebe nur noch ein «amputierter» Service public übrig. Auch die ASO befürchtet negative Folgen für die Information der Fünften Schweiz. Für Swissinfo-Direktorin Larissa Bieler ist das Auslandsmandat «seit 1935 eine unverzichtbare Brücke für Auslandschweizerinnen und -schweizer zur Heimat». Ohne dieses Angebot verliere die Schweiz international an Sichtbarkeit und Verständnis. Aufhorchen liess im November die Meldung, dass Bieler Ende März 2026 aus der SRG-Geschäftsleitung ausscheidet. Die SRG begründete diesen Schritt mit einer im Zuge der Sparmassnahmen verkleinerten Geschäftsleitung. (SWE) Wenn politische Entscheide der SRG Gelder entziehen, trifft das auch ihre internationalen Angebote: Swissinfo, tvsvizzera.it und Partnerschaften mit Sendern wie TV5MONDE für die französischsprachige Welt oder 3sat im deutschsprachigen Raum. Swissinfo berichtet online in zehn Sprachen über die Schweiz und trat 2001 die Nachfolge des legendären Schweizer Radio International an. Die Plattform richtet sich – wie die von der Auslandschweizer-Organisation (ASO) herausgegebene «Schweizer Revue» – an die über 826000 im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer. Swissinfo versteht sich überdies als «Stimme der Schweiz in der Welt». Doch die Landesregierung plant, im Rahmen eines Sparpakets den jährlichen Bundesbeitrag von knapp 19 Millionen Franken für das Auslandsmandat zu streichen. Bisher teilen sich SRG und Bund die Kosten, ab 2027 will der Bund aussteigen. Damit wird Swissinfo in der jetzigen Form gefährdet. Verschiedene Organisationen, darunter die ASO, fordern das Parlament in einer Petition auf, die Bundesmittel zu sichern. Swissinfo sei eine ausgewogene, mehrsprachige Informationsquelle für Auslandschweizer und stärke deren politische Rechte. Der Ständerat, die kleine Parlamentskammer, widersetzte sich in der Wintersession 2025 der Regierung und sprach sich für den Erhalt des Bundesbeitrags aus. Die Schweiz könne es sich nicht leisten, auf dieses «Schaufenster» in der Welt zu verzichten, befand die knappe Mehrheit. Die Befürworter der Streichung argumentierten, Informationen über die Schweiz seien heute auch anderweitig verfügbar. Wolle die SRG das heutige Auslandsangebot erhalten, müsse sie Mittel «umschichten», sagte Finanzministerin fürs Tessin also bald in Zürich gemacht? Die Initianten halten diese Warnungen für übertrieben. Die mediale Grundversorgung der Minderheiten sei nicht gefährdet, der Finanzausgleich bleibe gemäss Initiative erhalten, schreibt das Ja-Komitee. Es seien weiterhin «gleich- und hochwertige» Sendungen möglich. «Gemeinsamer medialer Raum» Doch Medienwissenschaftlerin Ulla Autenrieth sieht die «strukturelle Realität»: In der Schweiz entstehen Service-public-Inhalte nicht für einen homogenen nationalen Markt, sondern für mehrere sprachlich, kulturell und regional differenzierte Öffentlichkeiten: «Was in anderen Ländern als Skaleneffekt wirkt, muss bei uns mehrfach produziert werden.» Mit so viel weniger Geld müsste die SRG ihr Angebot zwangsläufig reduzieren. «Die Idee eines gemeinsamen medialen Raums lebt jedoch von der Vielfalt», sagt sie. Trotz fragmentierter Mediennutzung bleibt das Bedürfnis nach gemeinsamen Orientierungspunkten, so Autenrieth. Jüngere – und auch Eltern für ihre Kinder – wollen verlässliche Inhalte, das zeige die Forschung. Hier könne der öffentliche Rundfunk seine Kernstärke ausspielen, wenn er dorthin gehe, wo die Aufmerksamkeit sei: «Viele Junge nutzen SRG-Inhalte über Play-Plattformen, Social Media oder Podcasts.» Ein zeitgemässer Service public müsse digital und flexibel sein. Gemeinsame Medienerlebnisse entstünden heute nicht mehr an einem einzigen «Lagerfeuer», sondern in vielen Formen – von Live-Events wie der Fussball-EM der Frauen letztes Jahr bis zu Mitmach-Formaten. Wenn die SRG diese Logik ernst nehme, könne sie weiterhin verbindend wirken. Der Beitrag gibt den Stand der Dinge bei Redaktionsschluss – 18. Dezember 2025 – wieder. Weitere historische Bilder zur SRG sind in unserer Online-Ausgabe zu finden: www.revue.ch Swissinfo berichtet heute in zehn Sprachen, darunter Spanisch. Ob das so bleibt, hängt stark von politischen Entscheiden ab. Foto Roman Häfliger Schweizer Revue / Februar 2026 / Nr.1 7
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