Mieten. Sie sammelt Unterschriften für eine Initiative, die die Mietpreise kontrollieren will, und fordert mehr gemeinnützigen Wohnungsbau. Eine Volksinitiative, die einen fixen Anteil an gemeinnützigen Wohnungen vorschreiben wollte, scheiterte jedoch 2020 an der Urne. Vielschichtige Ursachen Studien und Marktanalysen zeigen, dass die Zuwanderung den Wohnungsmarkt belastet, aber nicht allein verantwortlich ist. Zwischen 2014 und 2023 trug der Zuzug laut Bundeszahlen massgeblich zur steigenden Haushaltszahl bei und heizte die Nachfrage an. Doch auch die wachsende Wohnfläche pro Kopf spielt eine Rolle: Sie stieg innerhalb von zehn Jahren von durchschnittlich 45 auf 46,6 Quadratmeter. Die Einführung der Personenfreizügigkeit durch das Abkommen mit der EU 2002 trieb Mieten und Preise für Wohneigentum bis 2016 in die Höhe, wie eine Studie der Universität Freiburg von 2023 ergab. Der Effekt liess nach, da der Markt reagierte und neue Wohnungen entstanden – wenn auch nicht genug. Expertinnen und Experten betonen, dass der Wohnungsmarkt ein komplexes Gefüge aus Nachfrage, Angebot, Baurecht und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist. Ab 2018 sank die Bautätigkeit unter anderem wegen hoher Baukosten und knappem Bauland. Verdichtung: Schrecken und Chance Knappes Bauland ist nicht nur der Schweizer Topografie geschuldet, sondern politisch gewollt. 2013 stimmte die Bevölkerung einem Raumplanungsgesetz zu, das die Überbauung von Grünflächen begrenzt und die Siedlungsentwicklung nach innen lenkt. Eine Studie des Forschungsinstituts Sotomo von 2025 zeigt, dass Wohnraum für zwei Millionen Menschen entstehen könnte, ohne neues Bauland zu erschliessen. Doch Verdichtungsprojekte stossen lokal oft auf Widerstand. Bürgerinnen und Bürger fürchten Verdrängung oder eine sinkende Lebensqualität. Innovative Konzepte versuchen, diese Ängste zu entkräften. Sie zeigen, wie man dichter und höher bauen und gleichzeitig Grünflächen schaffen kann. In urbanen Regionen sollen «10-Minuten-Nachbarschaften» entstehen, in denen Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants auf kurzen Wegen erreichbar sind. Dieses Konzept, entwickelt von der ETH und finanziert vom Nationalfonds, soll Kantonen und Gemeinden helfen, das Raumplanungsgesetz umzusetzen. Keine schnelle Entspannung In den letzten Jahren entstanden in der Schweiz jährlich 40000 bis 45000 neue Wohnungen. Schätzungen zufolge müssten es 30 bis 50 Prozent mehr sein, um Angebot und Nachfrage auszugleichen. Obwohl die Zahl der Baugesuche zuletzt leicht stieg, sieht die Landesregierung keine schnelle Entspannung. Gemeinsam mit Kantonen, Gemeinden sowie der Immobilien- und Bauwirtschaft hat sie einen Aktionsplan mit 30 Massnahmen erstellt. Diese reichen von effizienteren Bewilligungsverfahren bis zur besseren Nutzung von Bauland. Doch das sind vorerst nur Empfehlungen. Konkreter ist ein Vorschlag des Bundesrats ans Parlament: Ein Fonds, der gemeinnützigen Wohnbauträgern Darlehen erteilt, soll zwischen 2030 und 2034 um 150 Millionen Franken aufgestockt werden. Damit will der Bund den Bau günstiger Wohnungen fördern. Das Parlament entscheidet dieses Jahr darüber. Mehr bezahlbare Wohnungen und ein Aktionsplan gegen Wohnungsmangel: So will die Regierung der SVP-Initiative zur 10-Millionen-Schweiz den Wind aus den Segeln nehmen. Ob dies die Stimmbevölkerung überzeugt, zeigt sich am 14. Juni. Verdichtung ist ein möglicher Ansatz der Raumplanung. Moderne Siedlungen – wie hier in Schlieren ZH – setzen auf kurze Wege und Grünraum. Foto Keystone 10 Schweizer Revue / April 2026 / Nr. 2
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