In Zürich, der grössten Stadt des Landes, spitzt sich die helvetische Wohnungskrise zwischen Boom und Engpass besonders zu. Wird dort eine günstige Mietwohnung ausgeschrieben, drängen sich Hunderte bei Besichtigungen. Bilder von langen Warteschlangen kursieren in den sozialen Medien, Wohnungssuchende resignieren angesichts der Konkurrenz. Diese Szenen sind zum Sinnbild eines Problems geworden, das die Schweiz zunehmend beschäftigt. Zürich, mit seinen vielen Arbeitsplätzen in Banken, Versicherungen, Tech- und Dienstleistungsbranchen, verzeichnet eine rekordtiefe Leerstandsquote: Nur eine von tausend Wohnungen ist verfügbar, meist im hochpreisigen Segment. Landesweit liegt die Quote bei einer von hundert Wohnungen – ein klares Zeichen für einen angespannten Markt. Das knappe Angebot erschwert nicht nur die Suche, sondern treibt auch die Preise in die Höhe. Regionale Unterschiede, soziale Folgen Die Wohnungsknappheit trifft vor allem städtische Zentren wie Zürich, Genf und Basel. Mit ihren zentralen Wohnlagen sind sie auch bei Zuwandernden aus der EU besonders beliebt. Doch kleinere Städte und touristische Bergdörfer spüren den Druck ebenfalls, wie ein Bericht der Landesregierung zeigt. In manchen Alpenregionen finden Einheimische und auswärtige Fachkräfte kaum noch Wohnraum – auch wegen Zweitwohnungen und Airbnb-Kurzzeitvermietungen. Die Mieten steigen seit über 20 Jahren. Besonders Neumieten klettern – seit 2022 je nach Region jährlich um zwei bis sechs Prozent. Wer neu auf den Wohnungsmarkt kommt oder umzieht, zahlt deutlich mehr als langjährige Mietende. Ein Land, in dem fast 60 Prozent der Haushalte zur Miete Die Kehrseite von Wachstum und Zuwanderung zeigt sich deutlich auf dem Schweizer Wohnungsmarkt: Wohnraum wird knapp, die Mieten steigen. Über Lösungen wird gestritten. wohnen, reagiert sensibel auf solche Entwicklungen – zumal Folgen spürbar sind: Eine ETH-Studie von 2025 zeigt, dass in den fünf grössten Agglomerationen einkommensschwächere Haushalte verdrängt werden. Doch auch der Mittelstand leidet, wenn die Wohnkosten einen immer grösseren Teil des Budgets verschlingen. Zuwanderung, Regulierung, Spekulation? Kein Wunder, dass die Wohnungsfrage vor der Abstimmung über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» der SVP heiss debattiert wird. Die politischen Lager liefern unterschiedliche Erklärungen und Lösungen. Für die SVP liegt das Problem in der «masslosen» Zuwanderung. Trotz mehr Wohnungsbau in den letzten 25 Jahren reiche das Angebot nicht aus. Zudem werde die Schweiz zubetoniert. «Es wird nicht zu wenig gebaut, sondern zu viel eingewandert», so das Fazit der Partei. Die Freisinnigen (FDP) sehen hingegen die Regulierung als Hemmschuh. Auflagen und Einsprachen verzögern Bauprojekte, kritisieren sie, und fordern schnellere Verfahren sowie gelockerte Lärmschutzvorschriften. Für die Sozialdemokratische Partei (SP) verursacht renditegetriebene Immobilienspekulation die steigenden Bild rechts: Auf dem Koch-Areal in Zürich entstehen rund 360 Genossenschaftswohnungen für 900 Menschen. Der Bund will den gemeinnützigen Wohnungsbau fördern. Foto Keystone «Es wird nicht zu wenig gebaut, sondern zu viel eingewandert.» Fazit der SVP Schweizer Revue / April 2026 / Nr. 2 9
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