Schweizer Revue 3/2026

Um Direktzahlungen zu erhalten, müssen Betriebe den Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) erbringen. Dieser Mindeststandard sei viel zu tief angesetzt, kritisieren Umweltverbände. Laut WWF sei keines der 13 Umweltziele erreicht worden. Trotz sinkender Tendenz gelangt laut aktuellem Agrarumweltmonitoring des Bundes immer noch zu viel Stickstoff in sensible Ökosysteme. Die Belastung durch Ammoniak sinkt zwar ebenfalls, liegt aber noch über dem Zielwert. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Pestiziden. Seit 2019 sind die Messwerte rückläufig, in Fliessgewässern stiegen sie aber wieder im Jahr 2024. Das Parlament hat bereits beschlossen, die Risiken für die Umwelt durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis 2027 zu halbieren. Die Belastung der Umwelt ist durch Importwaren grösser als durch heimische Produkte. lebten und mehr Landwirtschaftsfläche zur Verfügung stand, habe der Selbstversorgungsgrad – bei gleichzeitiger Rationierung der Lebensmittel – rund 70 Prozent betragen. Studienautor Bosshard räumt ein, dass nur ein kleiner Teil der Massnahmen durch die Landwirtschaft selber realisiert werden könne. Die meisten anderen Hebel erforderten die Mitwirkung der Lebensmittelindustrie, des Handels sowie der Konsumentinnen und Konsumenten. Er gibt zu bedenken, dass die heutigen Konsumgewohnheiten und Verhaltensweisen, die für grosse Teile der Ineffizienzen im Ernährungssystem verantwortlich sind, durch den Staat seit dem Zweiten Weltkrieg in hohem Masse beeinflusst und mitverursacht wurden. Dies betreffe insbesondere den Konsum von tierischen Lebensmitteln. Seit Jahrzehnten gehen mindestens 80 Prozent der landwirtschaftlichen Subventionen in die Tierproduktion und nur 20 Prozent in die Pflanzenproduktion. In seinem Bericht zur «Zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik» von 2022 kommt auch der Bundesrat zum Schluss, dass auf der Ackerfläche vermehrt Kulturen zur direkten menschlichen Ernährung angebaut werden sollten, um den Selbstversorgungsgrad bei zunehmender Bevölkerung zu halten. Eine vollständige Selbstversorgung wird aber trotz allem nicht möglich sein, da viele der zentralen Ressourcen für die Landwirtschaft zu grossen Teilen aus dem Ausland kommen. Dazu gehören Kunstdünger, Pflanzenschutzmittel, Diesel und Saatgut. 2 W ie ökologisch nachhaltig ist die Schweizer Landwirtschaft? Im letzten Bericht aus dem Jahr 2016 zu den Umweltzielen für die Landwirtschaft zeichnete der Bund ein gemischtes Bild. Untersucht wurde die Einhaltung von Zielen in den Bereichen Biodiversität, Treibhausgasemissionen, Phosphor und Pflanzenschutzmittel. Seither wurden die Umweltziele nicht mehr systematisch untersucht und der Fortschritt in einer Studie zusammengefasst. Laut Agrarexperten besteht hier eine grosse Lücke, aufgrund deren kein kohärenter Überblick möglich ist. Updates und Analysen gibt es lediglich für einzelne Aspekte. Absichten der Ernährungsinitiative Die Volksinitiative «Für eine sichere Ernährung» verlangt einen Selbstversorgungsgrad mit Nahrungsmitteln von mindestens 70 Prozent. Dieses Ziel soll innert zehn Jahren erreicht werden. Das bedeutet, dass die Ernährung pflanzlicher werden müsste. Weiter fordert das Begehren die Sicherung der Grundwasserressourcen sowie die Förderung einer nachhaltigen Land- und Ernährungswirtschaft. Hinter der Initiative stehen Franziska Herren vom Verein «Sauberes Wasser für alle» und weitere Personen. Herren war bereits die treibende Kraft hinter der im Juni 2021 abgelehnten Trinkwasserinitiative. Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative ohne Gegenvorschlag ab. Sie kommt am 27. September 2026 zur Abstimmung. (CF) Die ökologische Leistung der Schweizer Landwirtschaft ist laut WWF schlecht. Schweizer Revue / Juli 2026 / Nr. 3 5

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